Impressionen aus der Silbermühle – ein Vorgeschmack

Unsere Workshops rücken immer näher!!!! Bald fange ich an die Tage runter zu zählen 🙂

Vor den Weißenburger Fototagen wollte ich die Silbermühle unbedingt selbst kennen lernen. Nein, ein Workshopmodel kennt die Lokation nicht zwingend. Meine zwei Jahre als Hobbymodel haben mir jedoch gezeigt, dass es sinnvoll ist, sich vor einem Shooting mit einer Lokation zu befassen. Als Model möchte ich meinen Beitrag zum größtmöglichen Erfolgen leisten. Dazu gehört eine entsprechende Vorbereitung. Deshalb war es mir wichtig, mir einen eigenen Eindruck zu verschaffen. Es fühlt sich einfach besser an.

Also habe ich Günther gefragt, ob ich mal rein gucken könnte, in die Silbermühle. Und ich durfte nicht nur mal reinschnuppern. Der Wirt der Silbermühle, Markus Bauer, öffnete für uns die Türen, damit wir ein wenig shooten konnten…

Von Außen ganz normal…

Beim Eintreffen habe ich die Gaststätte hauptsächlich am Namen erkannt. „Silbermühle“ steht in geschwungener Schrift auf dem gelb gestrichenen Haus. Wirkte jetzt nicht wirklich spektakulär, eher heimisch. Der Steingarten und die etwas verwittert aussehende Laube sind außen die einzig verräterischen Spuren der Vergangenheit. Die Silbermühle war einst eine richtige Mühle, die von einem kunstliebenden Architekten umgebaut wurde. Der Wirt versteht sich hervorragend darauf, die kunstliebende Linie in der Einrichtung fortzuführen.

Etwas versteckt zwischen einem relativ jungen Gebäudeteil und einem eher älteren Teil, führt eine alte Tür in das Innere der Gaststätte: In einem Wintergarten mit einer Bar, die dazu einlädt, spanische Weine zu verkosten, wird der Besucher empfangen. Wie beschreibe ich das am Besten … viele Pflanzen, die zur Überwinterung reingebracht und dekorativ in Szene gesetzt wurden, viele kleine Accessoires, die normalerweise draußen den Besucher auf das Angebot des Hauses einstimmen, und rustikale Möbelstücke aus unterschiedlichen Zeitepochen. Alles so arrangiert, als würde es zusammen gehören. Aus Lautsprechern drangen spanische Melodien ins Ohr. Sehr angenehm im Übrigen.

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An der Bar wird zu besonderen Anlässen und Veranstaltungen ausgeschenkt. An diesem Tag war sie mit den edelsten Tropfen dekoriert. Aufgeschlagene Bücher luden zum Nachlesen über die Herkunftsländer ein. Auf den Barhockern ließ es sich durchaus aushalten.

Den Blickfang dürften das Büfett mit dem davorstehenden, massiven Tisch und das Klavier bilden, worauf auch wir unseren Fokus legten. Das Klavier aus dunklem Holz ist sehr einfach gehalten. Aber gerade das zog mich magisch an. Natürlich konnte ich später der Versuchung, ein bisschen auf den Tasten herum zu klippern, nicht widerstehen. Zumal Günther mich ans Klavier gesetzt hat – da musste er auch den „Katzenjammer“ in Kauf nehmen. Der Tisch mit seinen Stühlen erinnerte mich an die ritterliche Tafelrunde.

Doch bevor es los ging, gab es noch ein Tässchen Kaffee und eine kleine Führung durch die Räume. Der Wintergarten bietet für sich schon eine Menge, ist aber längst nicht alles, was es in der Silbermühle zu entdecken gibt!

Mit der Silbermühle auf Zeitreise

In der Gaststätte finden wir eine fast schon skurrile Einrichtung: Sitzbänke, die mich an Kirchbänke erinnerten. Meiner Information nach sind es simple Sitzbänke. Dennoch wirkte der Raum auf  mich ungewöhnlich. Woran es genau lag, konnte ich im Endeffekt noch nicht ausmachen. Keineswegs unangenehm, nur ungewöhnlich. Auf angenehme Art anders. Mitten im Raum ein uralter Steinofen mit Herdplatte. An Hacken hängen diverse Töpfe und Kochlöffel aus. Mit entsprechendem Licht werden wir unter Umständen auch hier eine sinnliche Zeitreise unternehmen können 😉

Der Raum gegenüber, der Tagungsraum, erinnerte mich schon eher an ein typisches Wirtshaus. Hier dominiert ein ländlicher Stil. Tische, Stühle und Bänke, wie man sie in einem gut bürgerlichen Gasthaus findet.
Eine gewisse Gemeinsamkeit mit der Gaststätte gibt es: Auch hier steht mitten drin ein Ofen, aber aus Blech. Der Abzug führt durch eine Wand, die auf der Tageslichtseite mit Spiegeln verziert wurde. Ja, ich war kurz davor auf die geflieste Fläche davor zu hüpfen, um etwas auszuprobieren. Habe diesem Drang jedoch widerstanden. Noch zumindest 😉 Günther hatte mich auf ein anderes, besonders ungewöhnliches, Detail aufmerksam gemacht: Ein Kirchenfenster, vermutlich gotisch. In der Wand eingelassen oder hängend, als wäre es ein Gemälde. Der Raum ist wunderbar groß und wird uns beim Workshop als „Studio“ dienen. Ich bin also schon sehr gespannt auf die kreativen Ideen unserer Teilnehmer!

Ich persönlich bin von den vielen kleinen Details in der Einrichtung und den Accessoires angetan. Hier ein bisschen Stahl, dort ein wenig Holz, eine Türgaube aus einer alten Maschinenglocke, Verzierungen an den Wänden – die zugegebener Maßen beim Fotografieren etwas störend sind, gleichzeitig eine Herausforderung diese vielleicht ins Bild zu nehmen. Keiner der Räume gleicht dem anderen. In der Silbermühle werden tatsächlich die unterschiedlichsten Stile und Zeiten auf spannende Art und Weise vereint. Nach der Führung war klar: Hier gibt es immer etwas Neues zu entdecken.

Klavierstunde…

Nun sollte es aber losgehen. Ja, ich muss zugeben, auf das Klavier war ich am meisten gespannt. Bin es immer noch. Und das obwohl ich nicht einmal Klavier spielen kann. Also kein kleiner weiblicher Mozart. In einem anderen Shooting hatte ich das Vergnügen mit einer Geige zu posen. Die richtige Haltung kann man zum Glück erfragen. Ich höre gerne Musik, singe nur in schalldichten Räumen, in denen ich ganz für mich bin 😉 Instrumente spielen kann ich nicht, aber zumindest so tun und die Notenleiter rauf und runter, das bekomme ich noch irgendwie hin … und es sieht auf Bildern authentischer aus.

Auf dem Klavier zu spielen ist einfacher, als der Versuch mit einer Geige. Das Wichtigste dabei ist: Ich hatte großen Spaß daran auf den Tasten herumzuklimpern und Günther hat mich machen lassen. Mal im Sitzen, mal im Stehen … Zwischendurch gönnte ich ihm eine musikalische Pause – Für Menschen, die selbst ein gutes Gehör für Musik haben und singen können, kann sowas schon in den Ohren weh tun! Dennoch muss keine echte Pianistin sein, um hier ein bisschen zu träumen 🙂 Der Klang des Klaviers schuf eine tolle Atmosphäre für tolle Bilder! Und wir haben nicht mal das gesamte Potenzial ausgeschöpft!

Spiel nicht mit dem Feuer

img-20170308-wa0065.jpgAuf dem Klavier hatte ich gleich zu Beginn etwas tolles entdeckt: Ein Kerzenleuchter und
ein Flammenlöscher. So etwas hatte ich noch nie gesehen! Auf dem rustikalen Tisch stand ein Keramiktopf bei dem ich prompt das Bild vom „Letzten Abendmahl“ vor meinen Augen hatte. Accessoirs, die für die angedachten Bilder, die beim Workshop entstehen sollen, perfekt geeignet sind. Es bedarf noch einiger Vorbereitungen, aber wir bekamen schnell einen guten Eindruck. Das Spiel mit den Kerzen fand ich spannend: Es war nicht besonders warm und die Wärme der Flammen lud mich ein, meine Hände wie an einem Lagerfeuer zu wärmen. Bald darauf durfte ich die Flammen langsam löschen – das gab eine kleine Wachsmalerei auf dem Tisch. Ich selbst musste dem Drang, mit dem kleinen Finger in das noch flüssige Wachs zu langen, erstmal widerstehen 😀

Fensterbank

Das Treppenhaus fand und ich finde ich nicht weniger spannend. Das Geländer ist schwer zu beschreiben. Es ist kein typisches Holzgeländer. Es wirkt wie aus Beton mit größeren „Gucklöchern“ – erinnert ein bisschen an ein Schiff und ist in Gelb und Blau gestrichen. Das Treppenhaus ist nicht allzu hell, und an der Decke ist ein, mit einer Art Mosaik verzierter Spiegel, der verrät, wer ob auf der Treppe steht oder sitzt. Dazwischen eine Fensterbank, gefliest. Sie wird von verschiedenen Blumentöpfen geziert. Kaum waren wir an dieser Fensterbank vorbei gelaufen, hatte ich meinen Gedanken noch gar nicht ausgesprochen, als Günther von oben schon rief „Räum mal bitte die Fensterbank ab“. War ja klar, dass ich mich auf die kalten Fließen legen durfte. Der Vorteil: Körperspannung 😀 Wenn Du nämlich darauf bedacht bist möglichst wenig Fläche auf den kalten Stein zu legen, spannst du automatisch alles an. So ungemütlich es sich anhört, war es aber gar nicht. Ich hatte es mir gerade gemütlich gemacht, da hörte ich schon „Bleib so!!“. mail_AAA_9838e

Die Fensterbank ist gerade groß genug für mich. Allzu viel Bewegungsfreiheit hatte ich da allerdings auch nicht. Da wir keinen Blitz eingesetzt haben, ließen wir es nach zwei, drei Posen dabei bewenden. Mehr brauchten wir auch gar nicht.

Spielwiese für kreative Köpfe

Alles in allem bin ich schwer beeindruckt von der Silbermühle, der Idee des Inhabers und den Wirten. Zwei ganz tolle, liebe Menschen, die uns alle Freiheiten gelassen und mit warmen Getränken versorgt haben. Allzu lange waren wir nicht. Sollte ja nur reingeschnuppert werden. Doch die Zeit reichte völlig aus um jetzt gespannt die Tage zu zählen *freu* bis wir unsere Teilnehmer endlich in der Silbermühle begrüßen dürfen!

In den Straßen von Lindau

Ein weiteres, sehr spezielles Shootingerlebnis in diesem Jahr, war mit Thomas Bichler. Seine Mischung aus Landschaftsaufnahmen und Fine Arte Nude fasziniert mich schon lange.

Die erste Begegnung

Ich hatte das Vergnügen Thomas bereits bei einem kurzen Shooting im Frühjahr kennen zu lernen. Wir hatten uns für einen kleinen Trip in ein Waldgebiet hinter Ulm verabredet. Ich war sehr gespannt auf ihn. Bis zu diesem Treffen hatten wir schon des öfteren Kontakt gehabt und wir schienen auf einer Wellenlänge zu sein. Dennoch hatte ich etwas Bammel.

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Ein Anfänger Model mit einem so großartigen Fotografen? Immerhin hängen seine klassischen Schwarzweißbilder in Galerien und Ausstellungen und werden in Magazinen, Bildbänden und Kalendern abgedruckt. In seiner Kalenderserie „simbiosa“ zeigt Thomas herrliche stille und ästhetische Outdoor-Aktfotografie. Ich wage sogar zu behaupten, dass er in diesem Genre zu den Besten gehört. Das sehen auch einige Fans und Kollegen so. „Er ist in meinen Augen ein Meister der klassischen Bildgestaltung. Nichts wirkt hier zufällig. Körper fügen sich in vollendeter Harmonie in Landschaften ein. Thomas wandelt die Bilder in traumwandlerischer Sicherheit perfekt in schwarz-weiß um.“ hörte ich Günther Ullmann, bekennender Fan von Thomas Bichler, einmal sagen.

Das Treffen mit Thomas war dann doch ganz anders, viel entspannter, als ich erwartet hatte. Wir gingen spazieren, redeten und sahen uns nach passenden Fleckchen um, die Thomas inspirierten. Beim Posen führte er mich. Er hatte eine sehr angenehme Art und wusste, was er wollte. Gleichzeitig achtete er sehr genau darauf, ob es mir gut ging. Die Temperaturen waren noch sehr winterlich. Angenehm war es so unbekleidet vor allem wenn die Sonne raus kam. An diesem Tag zogen einige Wolken über den Himmel, die die Sonne immer wieder versteckten. Thomas passte diesen Moment immer ab.

So wanderten wir gemütlichen Schrittes durch die Wege des Waldes, bis es Zeit wurde nach Hause zu fahren. Viel Zeit hatten wir an diesem Tag nicht. Das war nicht weiter schlimm, denn sie hatte gereicht, um einander besser kennen zu lernen. Hier entstand mit eines der schönsten Aktbilder 🙂

Porträt by Bichler

Nach diesem ersten Treffen, versuchten wir den ganzen Frühling und Sommer einen passenden Termin für ein weiteres Aktshooting in den Bergen zu finden. Es war wie verhext. Hatte Thomas Zeit, ging es bei mir nicht. Hatte ich Zeit, war er unterwegs. Die wenigen Termine, die wir dann vereinbaren konnten, mussten wir jedesmal verschieben, weil etwas dazwischen kam. Es war frustrierend. Doch wie heißt es so schön? Gut Ding will Weile haben. Kurz vor der großen Pause, vereinbarten wir mit Thomas im September einen neuen Termin. Doch dieses Mal, wollten wir zwei Tage shooten. Vielleicht würden wir mit dieser Taktik mehr Glück haben. Allerdings würden wir kein Aktshooting in den Bergen machen. Er wollte nach langer Zeit etwas anderes ausprobieren. Porträts und ein bisschen Streetstyle. Thomas hatte Lust zu experimentieren. Warum nicht? Thomas liegt die Fotografie im Blut. In unseren Gesprächen ließ er immer durchblicken, dass Technik nicht entscheidend ist. Er verstünde von Technik nicht viel, und wisse die Hälfte der Zeit nicht was er tue – ich konnte mich ja bereits vom Gegenteil überzeugen. Er versteht sich ausgezeichnet auf sein Handwerk.

Endlich fanden wir einen Termin und verabredeten uns für zwei Tage in Lindau. Er warnte mich noch, dass er keine Garantie gibt, was unter’m Strich raus kommen würde. Ich hatte da absolut keine Sorge und ließ es ihn auch wissen.

Spaziergang durch Lindaus Gassen

Wir hatten uns gleich für den Mittag verabredet. Als ich mit dem Zug in Lindau ankam, nahm er mich gleich herzlich in Empfang. Ja, es war, als würde man einen alten Freund treffen. Wir quatschten einfach drauf los. So fangen bekanntlich alle guten Shootings an … Mein Gepäck verstauten wir in seinem Wagen und gingen erst einmal in eins der Kaffee am See. Dort saßen wir gemeinsam, aßen und tranken etwas und lachten viel. Die Sonne schien und wir waren beide gut gelaunt. Auch wenn eher planlos.
Nach einer Weile beschlossen wir dann doch mal loszuziehen. Unser erstes Ziel war ein Weg, der zum Leuchtturm führte. Thomas hatte sich für diese Shooting vorgenommen, bei der Technik von seiner bewährten Methode abzuweichen. Das bedeutet für ihn gleichzeitig, dass er – wie er selbst behauptete – keine Ahnung hatte, was er da eigentlich tat. Kannte ich ja schon. Mancher wird jetzt denken „Wie bitte? Da würde ich als Model ja gleich mal aussteigen“ Ne ne. Auch wenn er an diesem Tag erstmals mit einem neuen Objektiv arbeitete, er hatte es in null komma nix im Griff. Als wäre er ein „Objektivflüsterer“. Ein weiteres war der Umstand, dass er ohne Stativ arbeitete. Er probierte tatsächlich einfach aus einem Moment heraus zu fotografieren und war selbst überrascht als es funktionierte. Wir lachten und scherzten noch darüber.

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Irgendwann verließen wir den See und liefen Richtung Altstadt hinein. Thomas mag genauso wie ich, die kleinen engen Gassen, in denen man selten eine Menschenseele trifft. Während wir so durch die Altstadt liefen, warf er hier und dort einen Blick hinein. Langsam tasteten wir an die Richtung, in die es Bildtechnisch gehen sollte. Schon in dieser Phase kamen einige tolle Bilder heraus. Nach einer Weile machten wir es uns an einem See einfach wieder gemütlich. Ihr merkt schon, von totalem Shootingstress und anstrengenden Posing konnte keine Rede sein. Das lag einfach an der wunderbaren Stimmung und der Tatsache, dass wir uns einfach treiben ließen. Thomas gehört definitiv nicht zu den Fotografen, die eine Pose nach der anderen einfangen. Bei ihm merkt man als Model gar nicht, dass es um ein Shooting geht. Es ist, als würdest Du mit Deinen Freunden losziehen und an einer tollen Stelle halt machen. Nicht anders lief es mit Thomas.

Sensual Moments

Ein weiteres Experiment, dass er im Visier hatte, waren sensual moments. Für diese hatte ich einige Dessous aber auch sehr einfache Blusen mitgenommen. Wir waren in einem Hotel, dass sehr ungewöhnlich aufgebaut war. Mein Zimmer war auf zwei Stockwerken verteilt. Es wirkte wie ein Baumhaus. Eine Badewanne lud zur Entspannung ein. Ein ganz normaler Duschvorhang entpumpte sich dann als kleines kreatives Spielzeug. Thomas spielte hier mit den Lampen des Zimmers und teste so den Effekt. Den Trick hatte er schnell raus. Die Bilder sind in echten Momenten entstanden, während wir uns unterhielten.

Late Night

Irgendwann am späten Abend waren wir hungrig. Ich schlüpfte in ein bequemes Outfit und wir gingen uns stärken. Als wir nach dem Essen auf die Straße traten, war diese etwas Nass und es war tieeeeefe Nacht. Auf Weg zum Hotel, liefen wir durch ein paar Gassen, die von den Straßenlaternen so toll beleuchtet waren. „Komm, ich hole mir ein andere Outfit und wir gehen nochmal in der Nacht shooten!“ schlug ich ihm ganz spontan vor. Thomas war dabei „Ok, machen wir.“ Im Hotel wählte er sogar das Outfit aus. Ich war selbst recht überrascht darüber. Er hat ein sehr feines Gefühl dafür, was gut aussieht. Eine erstaunliche Gabe, die ich bisher nur sehr selten erlebt habe. Draußen in den dunklen Gassen, begann er dann wieder mit der Kamera zu spielen. Immer
wieder ließ er mich „spickeln“ und immer wieder war ich einfach nur verblüfft. Lange waren wir nicht unterwegs. Aber das reichte auch. Wir hatten noch einen ganzen Vormittag Zeit.

Die alte Agfa

Foto by Thomas BichlerAm nächsten Tag ging es nach einem ordentlichen Frühstück weiter. Thomas wollte noch ein paar Aufnahmen im Zimmer ausprobieren. Der Aufbau des Zimmers hatte ihn inspiriert. Nachdem er auch jetzt das Outfit ausgewählt hatte, präsentierte er mir eine alte Leica, die er mitgebracht hatte. Damit sollte ich nun „Selfies“ machen. Er zeigte mir sogar, wie diese funktioniert hatte, damit ich die richtigen Knöpfe drückte. Ja, ich gebe zu, hier konnte ich nicht anders, und alberte etwas herum. Aber: Thomas hatte absolut nichts dagegen. Im Gegenteil. Er bestärkte mich sogar darin, genauso zu sein. Verspielt bis albern, wonach mir eben gerade der Sinn stand. Für ihn war Authentizität das Wichtigste bei diesem kleinen Projekt. So ließ ich es zu.

Bevor ich das Zimmer verlassen musste, wollte er nun noch die kleine Treppe ausprobieren. Er hatte Bilder im Kopf und gab mir dieses Mal Anweisungen, was er wollte. Thomas hat auch hier eine besondere Art. Er spielt sich kein bisschen auf und ist unglaublich menschlich. Da habe ich so manchen anderen Fotografen erlebt, der mit Models wie mit Objekten umgeht.

Ein letztes mal durch die Gassen

Jetzt wurde es aber Zeit. Wir verließen das Hotel. Unser Gepäck konnten wir noch bis zu meiner Abreise stehen lassen. Die Zeit wollten wir noch einmal inFoto by Thomas Bichler den Gassen nutzen. Es war wesentlich belebter, und so manches mal, mussten wir dann doch kurz abwarten. Dennoch entstanden auch hier einige meiner liebsten Porträts. Gegen Mittag war die Zeit dann reif, das Gepäck zu holen und die Heimfahrt anzutreten. Ich muss zugeben, es fühlte sich an, als hätte ich zwei Tage Urlaub gemacht. Es war total entspannt, entschleunigt möchte ich sogar sagen. Als wären wir in eine andere Welt und Zeit eingetaucht. Ein tolles Erlebnis. Wenige Tage später bekam ich dann auch die ersten Ergebnisse. Von wegen „Die meiste Zeit weiß ich gar nicht was ich tue.“. Dennoch ein sehr sympathischer Zug, wie ich finde :-). Oder?