Volksbad Nürnberg

Nach einem Jahr musste ich feststellen, dass einige Links hier nicht mehr ganz aktuell sind und wahrscheinlich ins Nirwana führen. Entschuldigt bitte. Das zu beheben dürfte eine Weile dauern. Da nicht alle in den sozialen Netzwerken aktiv sind oder einen Account besitzen, werde ich mal so ein paar der letzten Bilder hier neu/nochmal zeigen

Kurz zur Entstehungsgeschichte

Ende Oktober 2017 hatte Günther Ullmann die Gelegenheit mit den Lichtartisten und MRR Foto im Volksbad Nürnberg zu shooten. Die Lichtartisten hatten dort einen Auftritt. An diesem Tag wurde die Türen zu Kellerräumen geöffnet, die sonst generell verschlossen blieben. Ich durfte Günther begleiten. Ich wusste nur das mich dort vor allem alte Leitungen erwarten würden. Wir trotzten den Temperaturen und Lichtverhältnissen. Das Ergebnis: Unvergessliche, einzigartige Bilder, die Ihren Weg in Ausstellungen fanden.

Aktworkshop in der Silbermühle

Mit großer Verspätung meinerseits … endlich einige Bilder aus den Workshops!

An dieser Stelle noch einmal ein ganz großes Dankeschön an den Fotostammtisch Weißenburg e. V., der die Weißenburger Fototage samt Workshops organisiert hatte. Das Team hat einiges geleistet und Günther und mich auch während des Workshops begleitet.

Get in touch

Bevor es an die „Knispe“ ging, hatten wir im Veranstaltungsraum der Silbermühle Gelegenheit uns in einer gemütlichen Tischrunde kurz kennen zu lernen. Souverän und ruhig führte Günther das Gespräch und die Vorstellung – wenn er aufgeregt war, war es ihm nicht anzumerken. Der erste Workshop richtete sich speziell an jene Fotografen/innen, die gerne Akt fotografieren wollten, sich an diese sensible Thematik jedoch noch nicht ganz wagten. Stilvoller Akt ist definitiv nicht einfach zu fotografieren. So vermittelte Günther zunächst, was für ihn den Grundstock der Aktfotografie ausmacht. Besonderes Augenmerk legte er auch auf den Umgang mit dem Aktmodel. Dieses stellt sich zum Teil vollkommen unbekleidet vor die Kamera. Wie fühlt man sich wohl so völlig nackt und schutzlos vor dem Auge hinter der Linse? Eine Frage und zugleich ein wichtiger Appell an seine Teilnehmer: Ihr habt Menschen vor der Kamera!!! Denkt immer daran! Seine eigenen Regeln galten, ohne dass er das explizit betonen musste – auch für seine Workshops.

Klassische Aktfotografie nach Ullmann

In seiner Ansprache leitete Günther mit der Erklärung über den plastischen Körper geschickt zum natürlichen Licht und unserer Raumsituation: Der Raum wurde von natürlichem Fensterlicht durchflutet. Und so stiegen wir auch schon in den praktischen Teil des Workshops ein … Das ich von Beginn an im wärmenden Bademantel dabei war, brauche ich nicht zu erwähnen?! … Bis zu diesem Moment war ich noch recht nervös … Kaum stand ich am Fenster und konnte mich von der Atmosphäre einfangen lassen, war jedoch alle Nervosität war wie verflogen.

Die Zeit verging wie im Flug, während wir die Teilnehmer in die gebotenen „Spots“ der Silbermühle führten und verschiedenste Szenarien kreierten. Die Silbermühle ist einfach ein Traum und die Teilnehmer wurden immer kreativer. Es wurde gelacht und das nicht zu wenig. Nichts desto trotz waren alle hochkonzentriert mit dabei.

In meiner kleinen Galerie könnt Ihr die Bilder in Kürze etwas genauer in Augenschein nehmen 🙂

Auf sinnlicher Zeitreise im Masterclass Aktworkshop

Aufgrund des hohen Interesses – der erste Workshop war ausverkauft, bevor die eigentliche Printwerbung des Fotostammtisch Weißenburg e. V. überhaupt an den Start gegangen war – wurde kurzfristig ein zweiter Workshop organisiert: Masterclass „Akt mit Accessoires“. Hier wurde das Niveau gesteigert und die Teilnehmer auf eine sinnliche Zeitreise mitgenommen: Es sollten Bilder entstehen, die alte Gemälde erinnerten. Aktmalereien. Dieser Workshop war selbst für mich eine Herausforderung, das wir hier speziell mit Accessoires spielten. Oder besser gesagt: Ich würde damit spielen müssen. Günther und ich machten dazu sogar eine kleine „Generalprobe“, mehr auf meinen Wunsch. Beim Modeln auf einem Tisch ist so manches zu beachten, das später den Eindruck des Bildes beeinflussen kann. Die Ergebnisse sind schlichtweg umwerfend 🙂 Der Ansicht war auch das Online Magazin B-Authentique und veröffentlichte nun ein erstes Feature samt eines kleinen Interviews 😉

 

 

 

 

Red Stones

Eines meiner Highlights in diesem Jahr war das Shooting-Wochenende mit Thomas und Günther, zwei wunderbaren Freunden und Fotografen. Gemeinsam bestiegen wir die imposanten Felsen des Pfälzer Waldes und widmeten uns unserer Leidenschaft zur Aktfotografie! Meine beiden Freunde haben sich an diesem Wochenende erstmals persönlich kennengelernt. Zwei Tage mit Thomas Bichler und Günther Ullmann … meine Lieben, es war vor allem für mich und Günther ein ziemliches Abenteuer: Mit Höhenangst auf Felswände klettern 😉 …

Triff Dein Idol …

So gemeinsame Shootings sind unter Models und Fotografen zum Teil „Gang und Gebe“. Ich gestehe, ich nehme selbst aus zeitlichen Gründen eher selten an Sharings oder größeren Gruppenshootings teil. Günther und Thomas kenne ich beide inzwischen seit über zwei Jahren. Und doch hatten die beiden bisher nichts miteinander zu tun, trotz der gemeinsamen Leidenschaft zur Aktfotografie. Günther ist seit jeher bekennender Fan von Thomas, ohne das dieser je davon gewusst hatte. Ich fand, es war an der Zeit, etwas daran zu ändern… Günther würde sein Idol endlich persönlich kennen lernen und sich mal selbst davon überzeugen können, dass Thomas sogar sehr locker ist. Anspruchsvoll, sehr diszipliniert, aber auch ein ganz schöner Spaßvogel 🙂 Ich war sicher: Diese beiden würden ein tolles Team abgeben … und sollte recht behalten…

… Gleich nach der Anreise trafen wir drei uns zum gemütlichen Abendessen in einem Steakhouse in Dahn. Günther war sehr aufgeregt 🙂 Er traf schließlich den Fotografen, dessen Bilder er seit Jahren verfolgt. Umso schöner war es mit zu erleben, wie die beiden auf Anhieb ins Gespräch kamen. Die Chemie stimmte. Als würden sie sich schon lange kennen. Es würde also ein vielversprechendes Wochenende werden, dass wir zum Abschluss des Abends noch besprachen.

Der Berg ruft…

Am nächsten Tag fuhren wir mit zwei Autos zu den „Red Stones“ – sie heißen nicht wirklich so 😉 . Die Fahrt dauerte ungefähr 20 Minuten. 20 Minuten, in denen …

… ich den Ausblick – oder Anblick – des Waldes und der zunehmenden Gesteinsketten vor Augen hatte … die Straßen immer höher und zum Teil enger wurden … ich immer stiller wurde … mir der Tatsache bewusst wurde, wo Thomas mit seinen Models arbeitet … und auf welches Abenteuer ich mich da eingelassen hatte … und das mit Höhenangst … Ich war doch komplett verrückt!! „Shit, ob ich das schaffe?“ ging es mir durch den Kopf…

Der Anblick des Parkplatzes riss mich aus meinen Gedanken. Wir waren angekommen. Den Rest des Weges mussten wir zu Fuß zurücklegen. Die Sonne lachte vom Himmel und würde weiter oben ordentlich brennen. Gleichzeitig war es sehr windig. Eine gefährliche Mischung …. Doch ich würde die wärmenden Strahlen noch zu schätzen lernen … 😀

Meine beiden Freunde packten ihre Fotoausrüstung. Sie mussten mit rund 15 kg auf dem Rücken bergauf wandern. Mein Gepäck war, im Vergleich ein echtes Fliegengewicht: Außer etwas Verpflegung und einem warmen Bademantel brauchte ich für ein Aktshooting gewöhnlich nicht viel mehr. Thomas kennt als erfahrener Outdoorsportler auch noch die Tücken der Natur und versorgte uns mit Insektenspray und Sonnencreme. Schließlich konnte es losgehen … Der Marsch würde – nach Thomas Angabe – gute 20 Minuten (?) dauern.

Drei Freunde, scherzend und plaudernd auf dem Weg zur „roten Spitze“, wie ich sie gern nenne …

Lichtspektakel …

Der Weg zur „roten Spitze“ wurde immer steiler. Wurzeln der Bäume bildeten „Treppen“ und zugleich fiese Stolperfallen. Ich hatte mich etwas zurückfallen lassen, als Ihre Stimmen auf einmal wieder ganz nah waren und mich aufblicken ließen. Vor meinem Auge pures rotes Gestein. Ich bin immer wieder fasziniert vom Anblick der Berge und Felsen… Überwältigt von dieser Pracht, ließen wir uns Zeit und erkundeten die Felsen und Ihre Formationen erstmal. Die Sonne warf ihre Strahlen von der anderen Seite der Felswand durch große und kleine Felsspalten und erzeugte Lichtspiele. Dieses Gegenlicht ließ es in uns freudig aufgeregt kribbeln. So verführerisch das Gegenlicht auch ist, so sehr stellt es Fotografen manchmal vor ziemliche Herausforderungen dieses gekonnt einzusetzen … Natürlich war es auch gleich das erste über das Thomas und Günther fachsimpelten.

… und das Model??

Meine Wenigkeit musste jetzt Ihrem Drang nach geben und in so einen Felsspalt hinein klettern. Ehrfürchtig und neugierig wie ein kleines Kind berührte ich die Felswände. Der Stein war ganz schön kalt. Das kümmerte mich weiter noch nicht. Genauso wenig der pfeifende Wind, der kalt durch die Felsspalte zog. Ich war warm angezogen … Statt dessen kletterte ich ein bisschen zwischen diesen beiden eng beieinander stehenden Felsen herum … Himmel, zuletzt war ich vor gut 10 Jahren in den Bergen!! Meine Freunde behielt ich im Blick. Sie hatten die Stative aufgebaut, es konnte gleich losgehen.

Ich hörte beiläufig wie Günther sich mit Thomas über erste Ideen austauschte. Thomas, der das Gelände aus dem Effeff kennt, „spickelte“ Günther über die Schulter und baute an anderer Stelle sein eigenes Stativ mit Kamera auf…

Btw: Stative werden häufig von Fotografen verwendet, die Landschaften oder Objekte aufnehmen und zum Beispiel eine längere Belichtungszeit brauchen. Die Kamera muss still halten und das Objekt vor der Kamera genauso … Nun verwendet mein lieber Freund Thomas, sein Stativ genauso gern bei Modelshootings – schön still halten heißt es da!! In Lindau da hat er sogar bei Nacht „frei Hand“ fotografiert. Egal wie, seine Bilder sprechen für sich.

Verdammt ist das Kalt!

„Anna! Zieh dich jetzt bitte aus“ hörte ich Günther auch schon rufen… Ich musste schmunzeln …  Thomas stand an seiner Seite. Stehend zwischen den Felsen zog ich mich mich aus und warf den Fotografen meine Kleidung zu. Rückblickend wäre es geschickter gewesen aus zu steigen, mich ausziehen und wieder in die Felsspalte zu spazieren. Da musste ich noch nicht klettern. Aber: Warum den einfach, wenn’s auch kompliziert geht 🙂

Im Adamskostüm bekam ich jetzt einen Eindruck davon, was mich an diesem Tag erwarten würde: Das Gestein war kalt. Und der Wind erst! Er traf mich mit voller Wucht und fühlte sich an wie tausend Eiskristalle! Ich gestehe, daran hatte ich absolut nicht gedacht… Nun gut. Das werden wir überstehen … Worüber auch noch nicht nachgedacht hatte: Die Kanten der Felsen. Hier eine spitze Kante, dort verdeckte der Fels meinen Fuß. Winzige Details, die jedoch das große Ganze mit beeinflussen und ein Bild schlichtweg versauen konnten. Details, auf die vor allem die Fotografen ein Auge haben müssen. Gleichzeitig kann so ein verflixter Stein das Posing erschweren. Für gewöhnlich kann ich mich inzwischen recht gut fließend von einer Pose in eine andere begeben …. Auf diesen Felsen war das gar nicht so einfach …. Aber gut, dann musste ich eben einen Weg finden. Die „harte Arbeit“ betrachtete ich als ein Abenteuer. Und es würde noch ein echt anstrengender Tag werden … Meine Chance mich weiter zu entwickeln. Die Ergebnisse würden es Wert sein.

Günther Ullmann

Nach ein paar ersten Bildern wollte Thomas nun an einer anderen Stelle seine Ideen umsetzen.

Nonverbale Kommunikation

Thomas hatte diese Stelle gewählt, die ein bisschen an Filme von anderen Planeten erinnert. Sie war für mich relativ leicht zu erklimmen und nicht allzu hoch… Dafür heulte der Wind so laut durch dieses Loch, dass ich Thomas Anweisungen rein akustisch kaum verstand. Während Thomas mir mit ruhiger Stimme zurief: „Fußspitzen aufstellen. Knie anwinkeln.“, runzelte ich fragend die Stirn. „So ein verfluchter Mist! Wo sollte ich die Fußspitzen aufstellen? Was hatte er gesagt?“ Hatte ich nur die Hälfte verstanden oder hatte er nicht mehr gesagt? Ich zweifelte an meinem Verstand: Ich blicke mich um, versuchte seine Anweisung zu befolgen. Leichter gesagt als getan: Die Fußspitze rutschte an der Stelle weg, sobald ich Spannung in den Körper brachte. Sah er das, dass die Stelle dafür ungeeignet war? Oder war ich gerade außer Stande mich geschickt auf dem Felsen zu bewegen? Tausend Gedanken schossen mir gleichzeitig durch den Kopf. Ich fluchte leise. Es schien nicht mein Tag zu sein

 

Making of by Thomas Bichler

In solchen Momenten schadet es nicht, eine Pause einzulegen. Tief durchatmen und vor allem: REDEN. Ein Fotograf kann sein Gelände noch so gut kennen. In sein Model hinsehen und wissen was Ihr gerade Schwierigkeiten bereitet, erfährt er nur von Ihr. By the way: Inzwischen war ich häufiger in felsiger Landschaft unterwegs – langsam gewinne ich Sicherheit und überwinde sogar meine Höhenängste 😉

Nicht nur ich machte so meine Erfahrungen. Auch Thomas sollte noch Überraschungen erleben 😀

Andere Größenverhältnisse

Bilder sagen mehr als Worte. An dieser Stelle danke ich Günther für die Aufnahmen :-D:

Thomas hatte eine klare Bildidee und führte mir diese vor….  Thomas ist wohlgemerkt ein bisschen größer und stabiler als ich 😉 Während er sich mit seinen Füßen bequem an der gegenüberliegenden Felswand abstützen konnte und den Rücken kugelrund machen musste, um einigermaßen darin Platz zu finden  …

… konnte ich nur gestreckt die gegenüberliegende Felswand gerade noch mit meinem großen Zeh berühren!!! Meinen Anblick in seiner Pose kommentierte Thomas mit „oh, daran hab ich nicht gedacht“ …. 🙂 Er musste umdenken und gab erstmal Günther das Feld frei.

Jetzt durfte ich mich selbst in den Fels einfügen … ich war inzwischen doch etwas ausgepowert, meine Glieder fühlten sich etwas steif an und langsam fror ich sogar etwas mit dem kalten Wind im Rücken. Das ist es schwer sich nochmal zu konzentrieren … Ein Moment, in dem ich nachdenklich versuchte die Füße zu platzieren … Der Wind wehte mir immer zu die Haare ins Gesicht … ein intuitiver Griff, die lästige Strähne hinters Ohr… „STOP!!! Bleib so“ …. Wir hatten noch ein stimmungsvolles Bild gewonnen 🙂

Die andere Seite

Nach einer längeren Pause in der Sonne, marschierten wir entlang der Felswand weiter. Günther und ich waren fasziniert und staunten über die rote Pracht, die hier mitten im Wald von der Natur hervor gebracht wurde. Thomas hielt derweil Ausschau nach einer geeigneten Stelle und ließ uns die Zeit.

Er achtet sehr genau darauf, wie das Licht fällt und welche Schatten entstehen. So schließt er bei der Wahl alle möglichen störenden Elemente von Vorn herein aus, um seine bekannte ruhige Stimmung zu erhalten.

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Für mich war es hier insgesamt deutlich angenehmer, da der Wind anders kam und die Entfernung zu meinen beiden fotografierenden Freunden nicht so groß war. Nach der Pause hatte ich neue Motivation. Es fühlte sich nicht so bitter kalt an und ich konnte die Aussicht an der Stelle regelrecht genießen. Kurz kam ein leichter Wind auf und zauberte eine Atmosphäre von grenzenloser Freiheit … ein Gefühl das mich prompt „wachsen“ ließ. Auf Wunsch der beiden verharrte ich in dieser Pose und blendete alles um mich herum aus. Langsam wollten mir meine Muskeln den Dienst versagen. Eine Pause war nötig. Noch regierte die Kälte meine Glieder. Nach einer kurzen Pause starteten wir noch einmal. Thomas hatte einen Fehler auf seinen Bildern entdeckt und bat mich die Pose zu wiederholen. Dieses mal wollte es mir nicht gelingen. Kurz verlor ich das Gleichgewicht, fing mich aber gerade noch auf. Der Moment ließ meine beiden Freunde jedoch kurz aufschrecken. Wäre ich doch abgerutscht, wäre es definitiv schmerzhaft gewesen. Ein letzter Versuch dann beendeten wir an dieser Stelle.

Ich war gerade wieder angezogen, als Thomas auf einmal lächelnd neben mir stand „Du weißt, das Model bestimmt was geht und was nicht. Vergiss das nicht“, erinnerte er mich. Ich schmunzelte: „Und Du weißt, wie Stur ich bin“. Wir lachten und folgten Günther, der bereits weiter gegangen war.

Letzte Schauplätze

Wir hatten den Rückweg eingeschlagen, auf dem Thomas noch eine Stelle gesehen hatte, die er ausprobieren wollte. So richtig konnte uns diese nicht begeistern. Meine Bewegungsfreiheit war eingeschränkt und ich fühlte mich jede Minute kurz vorm Rutschen. Der Sandstein hat diesen Nachteil. Einerseits wunderschön, andererseits nicht ganz einfach zu handhaben.

Zu guter Letzt diente uns noch eine schnuckelige Höhle für einen letzten Versuch. Hier war es windstill und fast warm. Ich meiner eingeigelten Pose konnte ich eine gefühlte Ewigkeit verharren. Gleichzeitig besteht bei diesen Posen ein bisschen die Gefahr, sich zu sehr zu entspannen und die Körperspannung lässt nach 😉

Da wir noch einen weiteren Tag zum Shooten hatten, machten wir endgültig Feierabend. Ich freute mich auf eine lange heiße Dusche um den Sand loszuwerden 😀

Auf den Felsenburgen

Für unseren zweiten Shootingtag waren zuerst Felsenburgen geplant, die Thomas uns zeigen wollte. Danach wollten wir nochmal zurück an die Felswand. Er hatte sich noch einmal Gedanken gemacht und wollte, an der Stelle, die am Vortag hatte nicht wirklich klappen wollen, ein Bild umsetzen. Das hat mich sehr gefreut. An diesem Tag fühlte ich etwas sicherer und wollte die Herausforderung noch einmal angehen. Noch konnte ich nicht ahnen, wie groß sie werden würde.

Auf der Burg zeigte sich erneut: Mit 1,56 cm Größe eröffneten sich andere Bildmöglichkeiten. Wo große Models an die Decke stoßen, konnte ich mich bequem hinstellen oder in Mulden wie ein Ei zusammenrollen…

Als der Besucherandrang größer wurde, setzen wir unseren Weg fort Richtung Felswände..

Größte Herausforderung

Kaum waren wir oben auf dem Berg angekommen machte Thomas es sich relativ bald „bequem“. Er legte seine Ausrüstung ab und lief an einer Wand entlang. Ich setze mich in der Sonne auf einen Felsen und beobachtete erstmal die Szene:

Vor mir ragte eine hohe, ziemlich flach wirkende Felswand auf. Na, er würde schon nicht auf dumme Gedanken kommen…. Günther und er unterhielten sich über Möglichkeiten, die die Wand bot, so generell. Dachte ich. Als Thomas schließlich anfing, die möglichen Perspektiven von der gegenüberliegenden Wand aus zu betrachten und flink wie eine Gazelle auf den Felsen kletterte, besah sich Günther die Wand. Ich blickte die beiden an. Günther fragte Thomas nach seinem Plan. „Sitzend oder liegend könnte ich mir was vorstellen“ – „Das ist jetzt nicht dein Ernst??“ fragte ich „Ich soll da rauf???“ – „Doch, klar. Da kannst Du gut drauf liegen“. Oh mein Gott. Und wie sollte ich da rauf kommen??? Günther stand noch an der Wand und sah sich gerade den Sockel an. „Das ist breit genug, da passt locker hin. So hoch ist das auch gar nicht“ Ich fasste mir also ein Herz – der Reiz hatte mich gepackt. Ich wollte zumindest sehen, wie das da oben aussah. Meine beiden Freunde empfohlen mir gleich nackt rauf zu klettern. Schuhe sollte ich noch anlassen. Günther sah ich mir an, wo ich halt zum Klettern finden sollte. Sandstein!!!! Ich war auf halber höhe und musste erstmal etwas Sand weg schieben, um nicht abzurutschen. Und dann brauchte es noch einmal einen ordentlich Ruck um meinen Po irgendwie auf dem Absatz zu platzieren. Da mir die beiden das eingebrockt hatten, Thomas schon auf der anderen Seite saß und sich um seine Einstellungen kümmert, musste Günther ausnahmsweise mal ranhalten: Ich saß mehr oder weniger auf seinen Händen, es fehlt aber noch ein letzter Schubs… „Jetzt pack halt gescheit zu und schieb mich nochmal rauf“ – „Jaaaa, okey….“ ENDLICH. Eine eher unkonventionelle Art, aber für mich der Sicherste Weg.

Oben gelangt, hämmerte mein Herz. Jetzt brauchte ich erstmal eine Minute für mich, um mich hier oben zu orientieren. Vorsichtig testete ich meine Bewegungen … Gleichgewicht ok? Schwindel? Wo sollte ich meinen Blick am besten hinlegen, wie fühlte ich mich sicher. Thomas ließ mir Zeit. Dann gab ich das Kommando: Ich war bereit seine Wünsche umzusetzen. Immer wieder atmete ich tief durch, probierte mit langsamen Bewegungen die Position zu ändern. Insgesamt mit weit größerem Erfolg. Thomas auf Augenhöhe gegenüber hatte ich noch eine traumhafte Aussicht. Es war nicht so schneidend kalt und windig wie am Vortrag, so dass ich diesen Moment sogar genießen konnte. Thomas und Günther freuten sich darüber. Wir hatten irre schöne Aufnahmen hinbekommen 🙂

„Dem Blick des Herzens ist das Ferne weithin sichtbar.“ Rabindranath Tagore

Gestärkt zurück

Ja, ich freute mich sehr. Es war eine meine bisher größten Herausforderung auf ca. 3 Meter Höhe zu klettern. Jetzt wollte ich mich noch einmal intensiv mit den letzten Schauplätzen befassen. Neu motiviert, fanden wir nun auch hier unsere Balance. Es war ein großartiges Gefühl, mit dem ich heim kehren würde.

 

Impressionen aus der Silbermühle – ein Vorgeschmack

Unsere Workshops rücken immer näher!!!! Bald fange ich an die Tage runter zu zählen 🙂

Vor den Weißenburger Fototagen wollte ich die Silbermühle unbedingt selbst kennen lernen. Nein, ein Workshopmodel kennt die Lokation nicht zwingend. Meine zwei Jahre als Hobbymodel haben mir jedoch gezeigt, dass es sinnvoll ist, sich vor einem Shooting mit einer Lokation zu befassen. Als Model möchte ich meinen Beitrag zum größtmöglichen Erfolgen leisten. Dazu gehört eine entsprechende Vorbereitung. Deshalb war es mir wichtig, mir einen eigenen Eindruck zu verschaffen. Es fühlt sich einfach besser an.

Also habe ich Günther gefragt, ob ich mal rein gucken könnte, in die Silbermühle. Und ich durfte nicht nur mal reinschnuppern. Der Wirt der Silbermühle, Markus Bauer, öffnete für uns die Türen, damit wir ein wenig shooten konnten…

Von Außen ganz normal…

Beim Eintreffen habe ich die Gaststätte hauptsächlich am Namen erkannt. „Silbermühle“ steht in geschwungener Schrift auf dem gelb gestrichenen Haus. Wirkte jetzt nicht wirklich spektakulär, eher heimisch. Der Steingarten und die etwas verwittert aussehende Laube sind außen die einzig verräterischen Spuren der Vergangenheit. Die Silbermühle war einst eine richtige Mühle, die von einem kunstliebenden Architekten umgebaut wurde. Der Wirt versteht sich hervorragend darauf, die kunstliebende Linie in der Einrichtung fortzuführen.

Etwas versteckt zwischen einem relativ jungen Gebäudeteil und einem eher älteren Teil, führt eine alte Tür in das Innere der Gaststätte: In einem Wintergarten mit einer Bar, die dazu einlädt, spanische Weine zu verkosten, wird der Besucher empfangen. Wie beschreibe ich das am Besten … viele Pflanzen, die zur Überwinterung reingebracht und dekorativ in Szene gesetzt wurden, viele kleine Accessoires, die normalerweise draußen den Besucher auf das Angebot des Hauses einstimmen, und rustikale Möbelstücke aus unterschiedlichen Zeitepochen. Alles so arrangiert, als würde es zusammen gehören. Aus Lautsprechern drangen spanische Melodien ins Ohr. Sehr angenehm im Übrigen.

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An der Bar wird zu besonderen Anlässen und Veranstaltungen ausgeschenkt. An diesem Tag war sie mit den edelsten Tropfen dekoriert. Aufgeschlagene Bücher luden zum Nachlesen über die Herkunftsländer ein. Auf den Barhockern ließ es sich durchaus aushalten.

Den Blickfang dürften das Büfett mit dem davorstehenden, massiven Tisch und das Klavier bilden, worauf auch wir unseren Fokus legten. Das Klavier aus dunklem Holz ist sehr einfach gehalten. Aber gerade das zog mich magisch an. Natürlich konnte ich später der Versuchung, ein bisschen auf den Tasten herum zu klippern, nicht widerstehen. Zumal Günther mich ans Klavier gesetzt hat – da musste er auch den „Katzenjammer“ in Kauf nehmen. Der Tisch mit seinen Stühlen erinnerte mich an die ritterliche Tafelrunde.

Doch bevor es los ging, gab es noch ein Tässchen Kaffee und eine kleine Führung durch die Räume. Der Wintergarten bietet für sich schon eine Menge, ist aber längst nicht alles, was es in der Silbermühle zu entdecken gibt!

Mit der Silbermühle auf Zeitreise

In der Gaststätte finden wir eine fast schon skurrile Einrichtung: Sitzbänke, die mich an Kirchbänke erinnerten. Meiner Information nach sind es simple Sitzbänke. Dennoch wirkte der Raum auf  mich ungewöhnlich. Woran es genau lag, konnte ich im Endeffekt noch nicht ausmachen. Keineswegs unangenehm, nur ungewöhnlich. Auf angenehme Art anders. Mitten im Raum ein uralter Steinofen mit Herdplatte. An Hacken hängen diverse Töpfe und Kochlöffel aus. Mit entsprechendem Licht werden wir unter Umständen auch hier eine sinnliche Zeitreise unternehmen können 😉

Der Raum gegenüber, der Tagungsraum, erinnerte mich schon eher an ein typisches Wirtshaus. Hier dominiert ein ländlicher Stil. Tische, Stühle und Bänke, wie man sie in einem gut bürgerlichen Gasthaus findet.
Eine gewisse Gemeinsamkeit mit der Gaststätte gibt es: Auch hier steht mitten drin ein Ofen, aber aus Blech. Der Abzug führt durch eine Wand, die auf der Tageslichtseite mit Spiegeln verziert wurde. Ja, ich war kurz davor auf die geflieste Fläche davor zu hüpfen, um etwas auszuprobieren. Habe diesem Drang jedoch widerstanden. Noch zumindest 😉 Günther hatte mich auf ein anderes, besonders ungewöhnliches, Detail aufmerksam gemacht: Ein Kirchenfenster, vermutlich gotisch. In der Wand eingelassen oder hängend, als wäre es ein Gemälde. Der Raum ist wunderbar groß und wird uns beim Workshop als „Studio“ dienen. Ich bin also schon sehr gespannt auf die kreativen Ideen unserer Teilnehmer!

Ich persönlich bin von den vielen kleinen Details in der Einrichtung und den Accessoires angetan. Hier ein bisschen Stahl, dort ein wenig Holz, eine Türgaube aus einer alten Maschinenglocke, Verzierungen an den Wänden – die zugegebener Maßen beim Fotografieren etwas störend sind, gleichzeitig eine Herausforderung diese vielleicht ins Bild zu nehmen. Keiner der Räume gleicht dem anderen. In der Silbermühle werden tatsächlich die unterschiedlichsten Stile und Zeiten auf spannende Art und Weise vereint. Nach der Führung war klar: Hier gibt es immer etwas Neues zu entdecken.

Klavierstunde…

Nun sollte es aber losgehen. Ja, ich muss zugeben, auf das Klavier war ich am meisten gespannt. Bin es immer noch. Und das obwohl ich nicht einmal Klavier spielen kann. Also kein kleiner weiblicher Mozart. In einem anderen Shooting hatte ich das Vergnügen mit einer Geige zu posen. Die richtige Haltung kann man zum Glück erfragen. Ich höre gerne Musik, singe nur in schalldichten Räumen, in denen ich ganz für mich bin 😉 Instrumente spielen kann ich nicht, aber zumindest so tun und die Notenleiter rauf und runter, das bekomme ich noch irgendwie hin … und es sieht auf Bildern authentischer aus.

Auf dem Klavier zu spielen ist einfacher, als der Versuch mit einer Geige. Das Wichtigste dabei ist: Ich hatte großen Spaß daran auf den Tasten herumzuklimpern und Günther hat mich machen lassen. Mal im Sitzen, mal im Stehen … Zwischendurch gönnte ich ihm eine musikalische Pause – Für Menschen, die selbst ein gutes Gehör für Musik haben und singen können, kann sowas schon in den Ohren weh tun! Dennoch muss keine echte Pianistin sein, um hier ein bisschen zu träumen 🙂 Der Klang des Klaviers schuf eine tolle Atmosphäre für tolle Bilder! Und wir haben nicht mal das gesamte Potenzial ausgeschöpft!

Spiel nicht mit dem Feuer

img-20170308-wa0065.jpgAuf dem Klavier hatte ich gleich zu Beginn etwas tolles entdeckt: Ein Kerzenleuchter und
ein Flammenlöscher. So etwas hatte ich noch nie gesehen! Auf dem rustikalen Tisch stand ein Keramiktopf bei dem ich prompt das Bild vom „Letzten Abendmahl“ vor meinen Augen hatte. Accessoirs, die für die angedachten Bilder, die beim Workshop entstehen sollen, perfekt geeignet sind. Es bedarf noch einiger Vorbereitungen, aber wir bekamen schnell einen guten Eindruck. Das Spiel mit den Kerzen fand ich spannend: Es war nicht besonders warm und die Wärme der Flammen lud mich ein, meine Hände wie an einem Lagerfeuer zu wärmen. Bald darauf durfte ich die Flammen langsam löschen – das gab eine kleine Wachsmalerei auf dem Tisch. Ich selbst musste dem Drang, mit dem kleinen Finger in das noch flüssige Wachs zu langen, erstmal widerstehen 😀

Fensterbank

Das Treppenhaus fand und ich finde ich nicht weniger spannend. Das Geländer ist schwer zu beschreiben. Es ist kein typisches Holzgeländer. Es wirkt wie aus Beton mit größeren „Gucklöchern“ – erinnert ein bisschen an ein Schiff und ist in Gelb und Blau gestrichen. Das Treppenhaus ist nicht allzu hell, und an der Decke ist ein, mit einer Art Mosaik verzierter Spiegel, der verrät, wer ob auf der Treppe steht oder sitzt. Dazwischen eine Fensterbank, gefliest. Sie wird von verschiedenen Blumentöpfen geziert. Kaum waren wir an dieser Fensterbank vorbei gelaufen, hatte ich meinen Gedanken noch gar nicht ausgesprochen, als Günther von oben schon rief „Räum mal bitte die Fensterbank ab“. War ja klar, dass ich mich auf die kalten Fließen legen durfte. Der Vorteil: Körperspannung 😀 Wenn Du nämlich darauf bedacht bist möglichst wenig Fläche auf den kalten Stein zu legen, spannst du automatisch alles an. So ungemütlich es sich anhört, war es aber gar nicht. Ich hatte es mir gerade gemütlich gemacht, da hörte ich schon „Bleib so!!“. mail_AAA_9838e

Die Fensterbank ist gerade groß genug für mich. Allzu viel Bewegungsfreiheit hatte ich da allerdings auch nicht. Da wir keinen Blitz eingesetzt haben, ließen wir es nach zwei, drei Posen dabei bewenden. Mehr brauchten wir auch gar nicht.

Spielwiese für kreative Köpfe

Alles in allem bin ich schwer beeindruckt von der Silbermühle, der Idee des Inhabers und den Wirten. Zwei ganz tolle, liebe Menschen, die uns alle Freiheiten gelassen und mit warmen Getränken versorgt haben. Allzu lange waren wir nicht. Sollte ja nur reingeschnuppert werden. Doch die Zeit reichte völlig aus um jetzt gespannt die Tage zu zählen *freu* bis wir unsere Teilnehmer endlich in der Silbermühle begrüßen dürfen!

Balanceakt

Wir hatten uns mit Günther zu einem Shooting verabredet. Einen konkreten Plan hatten wir diesmal nicht. „Ich bringe meine aktuell liebsten Outfits und wir probieren einfach herum.“ hatte ich angeboten. Günther war einverstanden „Prima, machen wir!“.

Am nächsten Tag hatte ich bereits alles erdenkliche in zwei Koffern versaut. Ich hatte es, mal wieder, maßlos übertrieben. Aber! Jedesmal, wenn ich danach doch wieder einiges zurückließ, hätte genau dieses Teil zu einer spontanen Idee gepasst. Also ließ ich die Koffer wie sie waren. Günther scherzte noch, ob ich umziehe. Es war von Anfang an klar, dass ich wahrscheinlich nicht mal 30 % davon brauchen würde… Für ein Shooting mit einem Aktfotografen braucht man ja eigentlich nicht viel. „Ich brauche dich vor allem nackt“, heißt es dann. Im Übrigen nicht nur bei Günther! Allerdings hatte mich Thomas Bichler bei unserem Lindautrip auch schon überrascht. Thomas Bichler ist weniger für bekleidete Street- und Porträtfotografie bekannt. Warum nicht also auch Günther?

Ich hatte also gepackt und widmete mich gerade dem leichten „Styling“ (natürlich wie eh und je), als Günther einfiel, was ich noch mitbringen könnte. Jaaaa, in dem Moment hatte ich die beiden „fertig“ gepackten Koffer vor meinem geistigen Auge. Ich wunderte mich etwas: Am Morgen hatte ich noch gefragt, ob ich etwas bestimmtes mitbringen sollte. Nöööö, alles gut, so wie ich Lust habe. In der Zwischenzeit war er aber kreativ – so schnell geht das bei ihm! Mir sollte das Recht sein, große Outfit wünsche hatte Günther nur sehr selten. Wir hatten nun schon mehrere Shootings, da weiß man langsam, wo die Reise hingeht.

Auf dem Weg ins Studio teilte er mir in einer kurzen Nachricht mit, er ist noch im Baumarkt, etwas für unser Shooting besorgen. Acha. Ich wusste nun, er würde ggf. etwas später da sein. Der Rest blieb erstmal ein Geheimnis. Wo ich doch überhaupt nicht neugierig bin. „Bin mal gespannt“ dachte ich bei mir.Da ich gerade noch telefonierte (Lautsprecher sind toll!), hatte ich Ablenkung.

Manchmal geht es einfach nicht

Endlich im Studio angekommen, sah ich noch das Set aus seinem letzten Shooting. Wir wollten damit etwas rum probieren – war der ursprüngliche Plan. Ich bat Günther um einen kleinen Gefallen: Ich wollte mit ihm, mit diesem Set nur mit natürlichen Licht arbeiten. Das war gar nicht so einfach, denn im Herbst geht die Sonne schneller unter. Wir hatten gerade noch etwas Zeit. Dann wurde es praktisch unmöglich. Ich freute mich dennoch darüber, dass Günther mitgemacht hatte. Er kennt meine manchmal etwas verrückten Ideen und den Drang partout das zu tun was andere nicht machen wollen.

Überraschung aus dem Baumarkt

Nach einigen Versuchen gaben wir es auf. „Ich habe sowieso noch etwas anderes mit dir vor“ ließ er verlauten. „Ich war doch im Baumarkt. Da hab ich einen Balken geholt. Du hast doch bestimmt schon mal die Bilder mit Balken gesehen?“ lüftete Günther nun das Geheimnis. Ja, hatte ich. Ja, wollte ich schon immer ausprobieren. „Du bist ja auch nicht ganz unsportlich“ lauschte ich weiter … oh oh oh … Akrobatik! Ich mein, ich mache inzwischen wieder viel Sport und kenne viele Übungen aus dem Aerobik, zum Teil sehe ich Yoga Figuren … Jetzt wurde mir aber doch etwas mulmig. Ich bin sportlich, aber akrobatisch? Oh jeeeee, auf dem Balken laufen? Ach du lieber Gott!

Lieber Balken…

Gut, einen Moment tief durchatmen und erstmal ganz ruhig. Meine größte Sorge war zum Einen das Gleichgewicht zu verlieren, runterfallen und dann schöne Formen finden … Also tat ich, was ich immer tue, wenn erste Ratlosigkeit eintritt: Ich trat an den Balken und half Günther erstmal dabei ihn zu stabilisieren. Danach begann ich mich mit ihm, dem Balken, anzufreunden. „Hey, wir zwei, du und ich. Wir machen das schon, oder? “ dachte ich bei mir während ich an den Balken gelehnt stand. Ist schon ein Weilchen her, seit ich auf einem Balken „turnen“ sollte. Meine eigenen Ansprüche waren natürlich – wie immer – wieder viel höher angesetzt, als Günther’s Vorstellungen.

Günther wählt seine Models sehr genau aus. Er kennt mitunter Ihre Geschichten, Ihre Hobbies und weiß, was für sie interessant sein könnte. Er verlangt niemals unmögliches einerseits, andererseits zeigt er seinem Model auch ihr eigenes Potenzial und ermutigt sie. Dabei ist er absolut fair und real. Kein Süßholzgeraspel. Kritikfähig sollte man sein, beruht jedoch auf Gegenseitigkeit. Deshalb konnte ich also auch jetzt voll darauf vertrauen und mich einfach eine kleine sportliche Darbietung einlassen.

Aufstehen, Krone richten, weitermachen

Erstmal ein paar einfache Übungen. Ich musste herausfinden, wie wackelig die Angelegenheit überhaupt war. Wie halt finden und wie es um meine Balance tatsächlich stand. Derweil entstanden vor meinem inneren Auge bereits erste Bilder. Kaum öffnet man seinen Geist, schon schickt er Dir Lösungen 😉 . Ich legte soviel Anmut und Grazie wie ich nur konnte hinein. Spürte jeden Muskel, achtete sehr genau darauf, immerhin wollte ich keine Zerrungen. Ich bewegte mich bewusst langsam, zwischendurch ein Echo von Günther.

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Bei einem dieser Versuche, rutschte ich ab, verfing mich mit meinem Fuß am Balken und konnte den kleinen Aufprall auf dem Boden gerade noch abfangen, wobei ich mit dem anderen Fuß ausrutschte … um am Ende auf allen Vieren zu landen. Glück gehabt! Es geschah binnen weniger Sekunden. So schnell konnte Günther gar nicht hinter der Mauer vor hüpfen. „Alles ok? Hast du dir weh getan?“ Ich konnte ihn beruhigen. Kurz den Knöchel massiert und weiter ging es. So tief ging es nicht runter und irgendwie war danach die Furcht vor dem Fall weg. Ich fühlte mich etwas sicherer, war dennoch vorsichtiger.

Mit Reifen auf dem Balken

Ich hatte eigentlich noch die eine oder andere „Figur“ im Kopf, da rief Günther zu einer kleinen Pause und brachte etwas mit: Einen Holzreifen. So eine Reifen zur rhythmischen Sportgymnastik!! „Du schaffst das schon“ lächelte er mich glatt aufmuntern an. Im Grunde hatten wir den gleichen Gedanken. Die gleichen Posen etwas variiert mit dem Reifen. Ich testete erstmal das Gefühl, Gleichgewicht auf dem Balken halten und dann den Reifen in Pose bringen. Okay, das war jetzt doch eine kleine Hürde. Hatte ich Gleichgewicht, musste ich den Reifen irgendwie am Balken halten. Meine ersten Versuche scheiterten. Also nochmal kurz überlegen. Mit so etwas hatte ich nun noch gar keine Erfahrung. Das Holz hatte zudem auch noch eigenes Gewicht. Ohne Spiegel musste ich regelrecht in den Reifen tasten. Günther ließ mir alle Zeit der Welt. Außerdem: Bei aller körperlicher und kreativer Anstrengung, es machte Spaß 😀 Grund genug weiter zu machen bis die Muskeln nicht mehr konnten.

Fotograf in Modelrolle

Meine Muskeln machten sich dann auch bald bemerkbar. Meine Kraft ließ nach. Ich konnte mich auf dem Balken nicht mehr halten. „Günther, ich habe keine Kraft mehr zum Halten“ kündigte ich ihm an. „Alles klar, dass reicht für heute auch absolut. Wir haben viel Material“ kam er rüber. Während ich mir etwas anziehen durfte und zu trinken nahm, stand er plötzlich vor dem Balken … und musterte ihn. Er war neugierig, setzte sich vorsichtig drauf und probierte eine der relativ einfachen Posen!!! „Ist gar nicht so einfach, da das Gleichgewicht zu halten. Das brauchst du schon Kraft“ stellte er fest. Nachdem runter war, schien schein Körper auch ein wenig zu protestieren. Leider hatte ich keine Kamera griffbereit. Es sind Momente, die man eigentlich festhalten sollte. Fotografen, die auch mal in die Modelrolle schlüpfen, sind die Besten.

Sinnliches Zeitreisen – Workshop

Unglaublich: Unser erster gemeinsamer Workshop über die Aktfotografie ist fast ausverkauft – 1 Platz ist noch frei! Günther ich freuen uns wahnsinnig über dieses große Interesse. Deshalb haben wir kurzer Hand und ganz spontan beschlossen einen zweiten Workshop in der Silbermühle anzubieten.

Akt mit Accessoires, Masterclass-Workshop mit Günther Ullmann

In diesem Workshop geht es um den inszenierten Akt mit Accessoires. Unsere Location ist voller spannender Accessoires. Schwere Kerzenleuchter, Krüge, Gläser, alte Bügeleisen… In diesem rustikal-mediterranen Ambiente werden wir Akt in einem romantisch verspielten Landhausstil inszenieren.

Der Schwerpunkt dieses Workshops ist die Erarbeitung von Szenarien, die sich ein wenig an Aktgemälden alter Künstler orientieren: Verspielt romantische, cremefarbene Oberteile, die mehr zeigen als verdecken … ein alter Holztisch oder ein alter Stuhl … Zusammen mit Günther Ullmann nehmen wir Euch mit in eine Welt der sinnlichen Erotik voller Natürlichkeit.

Themen und Inhalte des Workshops

Bei diesem Masterclass-Workshop geht es vor allem um

  • den richtigen Umgang mit dem Model (Anweisungen, etc.)
  • die Inszenierung Deines Aktes mit Accessoires und
  • eine möglichst einfache und effektive Verwendung von Studiolicht

Unser Ziel

Nach diesem Workshop werden die Teilnehmer in der Lage sein, eigenständige Bildideen mit Accessoires zu entwickeln.

Wir können Bilder versprechen, die den Betrachter auf eine erotische Zeitreise mitnehmen.

Die Silbermühle

Vor den Toren Weißenburgs, in Richtung Ellingen, ist die Silbermühle eine traumhafte Location, die sowohl Indoor, wie auch Outdooraufnahmen erlaubt. Malerisch an der Rezat gelegen, bietet sie eine rustikal, mediterrane Atmosphäre voller überraschender architektonischer Details.

Das Team

Günther Ullmann ist ein sehr erfahrener und erfolgreicher Fotograf im Bereich der Akt- und Porträtfotografie. Als Workshopleiter hat er bereits  viele Teilnehmer gekonnt bei der Umsetzung Ihrer Ideen begleitet.

Gemeinsam hatten wir schon einige Erfolge mit unseren Bildern.

Wann und wo?

Ach ja … ganz wichtig 😀

Anmeldung und weitere Informationen

Weißenburger Fototage in der 3. Runde

Morgen feiert der Fotostammtisch Weißenburg e. V. sein 5-jähriges Jubiläum. 5 Jahre, in denen der Club kontinuierlich gewachsen ist. Heute zählt er ca. 30 Mitglieder.

Der Verein trifft sich nicht nur regelmäßig zum fröhlichen Austausch über Bilder und Fotografie. Sie veranstalten kleinere und größere Events, wie zum Beispiel Wettbewerbe, an denen nicht nur bestehende Mitglieder teilnehmen dürfen. Ausflüge, zum gemeinsamen fotografieren, gehören ebenfalls dazu.
Bei den Treffen wird gefachsimpelt und gescherzt. Von Konkurrenzkampf kann keine Rede sein. Besonders schön, weil die Bandbreite sich von Landschaft, über Tiere, Produkte bis hin zu Menschen zieht. Die Fotografen entwickeln sich durch gemeinsamen Austausch weiter. Gegenseitige Wertschätzung wird hier gelebt. Einige von Ihnen durfte ich bereits persönlich kennen lernen. Ja, ich möchte soweit gehen und behaupten, es herrscht eine „heimelige“ Atmosphäre. Neulinge werden mit offenen Armen empfangen.

Dieses herzliche Miteinander ist einer Gründe, warum die Weißenburger Fototage immer wieder einen Besuch wert sind. 2013 fing alles mit der ersten Ausstellung in der Kunstschranne an …

Ein Blick zurück …

Die Weißenburger Fototage sind eigentlich eine kleine Messe.  Angefangen hat alles 2013, als die Mitglieder zu einer Fotoausstellung eingeladen haben. Die Resonanz waren knapp 5.000 begeisterte Besucher! 2015 dann die logische Konsequenz: Der Stammtisch rief die Weissenburger Fototage ins Leben und ergänzte die Ausstellung um ein spannendes Rahmenprogramm. Die lassen sich wirklich nicht lumpen! Doch schaut selbst was 2015 bereits geboten war:

In diesem Jahr öffnet die Kunstschranne Weissenburg Ihre Tore zum 3. Mal in Folge für fotobegeisterte und Kunstliebhaber. Die ausgestellten Bilder wurden von einer Jury ausgesucht und werden auf feinsten Materialien in Großformat würdevoll präsentiert.

Dazu gibt es wieder ein Rahmenprogramm, das die Veranstalter auf die Beine gestellt haben. Dieses besteht auch dieses Mal aus  Workshops, kleinen Reisevorträgen sowie Fotowalks und eine Führung durch die Ausstellung! Letztere kann ich wärmstens empfehlen. Die Aussteller plaudern hier aus dem Nähkästchen und erzählen etwas zur Entstehung der jeweiligen Bilder. Da kommen interessante Geschichten und auch Empfehlungen heraus!

Wann was genau stattfindet findet ihr natürlich auf der Webseite der Weißenburger Fototage. Es sind noch nicht alle Details publik, aber der Verein arbeitet daran. Ich habe mir deshalb erlaubt mal nachzufragen …

Kurzer Ausblick

Workshops für Landschaft, Akt und Fantasie

Der Landschaftsworkshop wird von Ralph Goppelt, dem 1. Vorsitzenden des Clubs, geleitet. Ralph habe ich persönlich auf dem Ausflug ins Berchtesgadener Land kennengelernt 🙂 Ralph ist nicht nur ein toller Fotograf – seine Bilder findet ihr auf Facebook oder 500px  – er auch ein sehr angenehmer Mensch. Steht jederzeit mit Rat und Tat zur Seite, ohne überheblich zu sein. Er war es auch, der den lustigen Haufen auf dem Ausflug wunderbar zusammen gehalten hat. Kein Schäfchen ging verloren.

Für Fantasie begeistert bietet LauraHelena einen Workshop zur Erstellung von Composings an. Bei Composings liegt ein Shooting zu Grunde, der Rest wird am Computer bearbeitet. Lauras Composings sind sehr beliebt. Darüber hinaus hält LauraHelena noch einen Vortrag zum Thema composings halten.

Last But Not least bietet Günther Ullmann einen Workshop in einem seiner Spezialgebiete, mit mir als Model: Die ästhetische Aktfotografie. Günther zeigt den Teilnehmern wie sie mit Licht umgehen, ihr Model und die Umgebung in Szene setzen und natürlich wie man mit einem Model umgeht. Ein Workshop, auf den ich mich ganz besonders freue. Laut meinem letzten Kenntnisstand sind nur noch 3 Plätze frei!

Reisegeschichten und Fotowalks

Wer sich für Island und Australien interessiert, dem kann ich die Reisevorträge von Tobias Uschold und Andreas Luithle empfehlen. Beide Fotografen haben die Länder besucht und führten ein kleines Reisetagebuch. Dementsprechend gibt es hier sehr viel interessantere Eindrücke als in jedem Prospekt zu finden.

Schon mal einen Fotowalk erlebt? Ich bin ehrlich, ich noch nicht. Dennoch kann ich ihn von hören und sagen empfehlen. Bei einem Fotowalk geht die Gruppe mit einem Leiter gemeinsam los. Er unterstützt wo Hilfe gebraucht wird mit Tipps und Tricks. Im Rahmen der Messe werden diese einmal von Robert Renner und einmal von Stephan Bär begleitet.

„Lichter der Nacht“

Ich muss zugeben, als ich diesen Programmpunkt gesehen habe, habe ich mich tierisch gefreut (obwohl ich noch nicht live bei Nacht und in einer Stadt erlebt habe): Lightpainting. Das ist eine super coole und vor allem sehr kreative Art der Fotografie! Ich habe am eigenen Leib auf der Fotomesse in Weiden mit anderen Künstlern erlebt. Waaaahhhnnsinn. Lichter der Nacht ist ein kostenloser Workshop. Kurz um: Geht hin und lasst Euch das nicht entgehen.

Kurz um

Lange Rede, kurzer Sinn: Die Weissenburger Fototage sind nicht deshalb empfehlenswert, weil ich die Veranstalter selbst zum Teil kenne. Das Rahmenprogramm bietet wirklich für jeden etwas. Von Landschaftsfotografie, über Tiere, Menschen bis hin zur Produktfotografie. Und ich habe Euch noch nicht einmal alles erzählt! Natürlich seid Ihr alle herzlichst zur Vernissage, am 13.04.207 um 19 Uhr (Einlass ab 18 Uhr) eingeladen 😀 (Pssst: Ich komme auch 😉 )

Am heutigen Abend hatten sich die Veranstalter zur Besprechung eingefunden – so sieht es also bei der Arbeit aus 🙂

Papiermühle … und was dann geschah

Liebe Freunde, ich hatte Euch ja, von meinem Ausflug in die Papiermühle erzählt. Wie der Tag mit einem bösen Crash angefangen hatte und mit einem besonderen Shootingerlebnis endete.

Was danach kam, freute mich ganz besonders: Mehrere unserer Bilder wurden von den Redakteuren der VIEW Stern als Titelbild ausgewählt. Ein paar davon haben es dann sogar in die Galerie geschafft! Mich freut das als Model natürlich genauso, wie Stephan von Lichterspiegel-Foto!

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Galerie

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In den Straßen von Lindau

Ein weiteres, sehr spezielles Shootingerlebnis in diesem Jahr, war mit Thomas Bichler. Seine Mischung aus Landschaftsaufnahmen und Fine Arte Nude fasziniert mich schon lange.

Die erste Begegnung

Ich hatte das Vergnügen Thomas bereits bei einem kurzen Shooting im Frühjahr kennen zu lernen. Wir hatten uns für einen kleinen Trip in ein Waldgebiet hinter Ulm verabredet. Ich war sehr gespannt auf ihn. Bis zu diesem Treffen hatten wir schon des öfteren Kontakt gehabt und wir schienen auf einer Wellenlänge zu sein. Dennoch hatte ich etwas Bammel.

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Ein Anfänger Model mit einem so großartigen Fotografen? Immerhin hängen seine klassischen Schwarzweißbilder in Galerien und Ausstellungen und werden in Magazinen, Bildbänden und Kalendern abgedruckt. In seiner Kalenderserie „simbiosa“ zeigt Thomas herrliche stille und ästhetische Outdoor-Aktfotografie. Ich wage sogar zu behaupten, dass er in diesem Genre zu den Besten gehört. Das sehen auch einige Fans und Kollegen so. „Er ist in meinen Augen ein Meister der klassischen Bildgestaltung. Nichts wirkt hier zufällig. Körper fügen sich in vollendeter Harmonie in Landschaften ein. Thomas wandelt die Bilder in traumwandlerischer Sicherheit perfekt in schwarz-weiß um.“ hörte ich Günther Ullmann, bekennender Fan von Thomas Bichler, einmal sagen.

Das Treffen mit Thomas war dann doch ganz anders, viel entspannter, als ich erwartet hatte. Wir gingen spazieren, redeten und sahen uns nach passenden Fleckchen um, die Thomas inspirierten. Beim Posen führte er mich. Er hatte eine sehr angenehme Art und wusste, was er wollte. Gleichzeitig achtete er sehr genau darauf, ob es mir gut ging. Die Temperaturen waren noch sehr winterlich. Angenehm war es so unbekleidet vor allem wenn die Sonne raus kam. An diesem Tag zogen einige Wolken über den Himmel, die die Sonne immer wieder versteckten. Thomas passte diesen Moment immer ab.

So wanderten wir gemütlichen Schrittes durch die Wege des Waldes, bis es Zeit wurde nach Hause zu fahren. Viel Zeit hatten wir an diesem Tag nicht. Das war nicht weiter schlimm, denn sie hatte gereicht, um einander besser kennen zu lernen. Hier entstand mit eines der schönsten Aktbilder 🙂

Porträt by Bichler

Nach diesem ersten Treffen, versuchten wir den ganzen Frühling und Sommer einen passenden Termin für ein weiteres Aktshooting in den Bergen zu finden. Es war wie verhext. Hatte Thomas Zeit, ging es bei mir nicht. Hatte ich Zeit, war er unterwegs. Die wenigen Termine, die wir dann vereinbaren konnten, mussten wir jedesmal verschieben, weil etwas dazwischen kam. Es war frustrierend. Doch wie heißt es so schön? Gut Ding will Weile haben. Kurz vor der großen Pause, vereinbarten wir mit Thomas im September einen neuen Termin. Doch dieses Mal, wollten wir zwei Tage shooten. Vielleicht würden wir mit dieser Taktik mehr Glück haben. Allerdings würden wir kein Aktshooting in den Bergen machen. Er wollte nach langer Zeit etwas anderes ausprobieren. Porträts und ein bisschen Streetstyle. Thomas hatte Lust zu experimentieren. Warum nicht? Thomas liegt die Fotografie im Blut. In unseren Gesprächen ließ er immer durchblicken, dass Technik nicht entscheidend ist. Er verstünde von Technik nicht viel, und wisse die Hälfte der Zeit nicht was er tue – ich konnte mich ja bereits vom Gegenteil überzeugen. Er versteht sich ausgezeichnet auf sein Handwerk.

Endlich fanden wir einen Termin und verabredeten uns für zwei Tage in Lindau. Er warnte mich noch, dass er keine Garantie gibt, was unter’m Strich raus kommen würde. Ich hatte da absolut keine Sorge und ließ es ihn auch wissen.

Spaziergang durch Lindaus Gassen

Wir hatten uns gleich für den Mittag verabredet. Als ich mit dem Zug in Lindau ankam, nahm er mich gleich herzlich in Empfang. Ja, es war, als würde man einen alten Freund treffen. Wir quatschten einfach drauf los. So fangen bekanntlich alle guten Shootings an … Mein Gepäck verstauten wir in seinem Wagen und gingen erst einmal in eins der Kaffee am See. Dort saßen wir gemeinsam, aßen und tranken etwas und lachten viel. Die Sonne schien und wir waren beide gut gelaunt. Auch wenn eher planlos.
Nach einer Weile beschlossen wir dann doch mal loszuziehen. Unser erstes Ziel war ein Weg, der zum Leuchtturm führte. Thomas hatte sich für diese Shooting vorgenommen, bei der Technik von seiner bewährten Methode abzuweichen. Das bedeutet für ihn gleichzeitig, dass er – wie er selbst behauptete – keine Ahnung hatte, was er da eigentlich tat. Kannte ich ja schon. Mancher wird jetzt denken „Wie bitte? Da würde ich als Model ja gleich mal aussteigen“ Ne ne. Auch wenn er an diesem Tag erstmals mit einem neuen Objektiv arbeitete, er hatte es in null komma nix im Griff. Als wäre er ein „Objektivflüsterer“. Ein weiteres war der Umstand, dass er ohne Stativ arbeitete. Er probierte tatsächlich einfach aus einem Moment heraus zu fotografieren und war selbst überrascht als es funktionierte. Wir lachten und scherzten noch darüber.

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Irgendwann verließen wir den See und liefen Richtung Altstadt hinein. Thomas mag genauso wie ich, die kleinen engen Gassen, in denen man selten eine Menschenseele trifft. Während wir so durch die Altstadt liefen, warf er hier und dort einen Blick hinein. Langsam tasteten wir an die Richtung, in die es Bildtechnisch gehen sollte. Schon in dieser Phase kamen einige tolle Bilder heraus. Nach einer Weile machten wir es uns an einem See einfach wieder gemütlich. Ihr merkt schon, von totalem Shootingstress und anstrengenden Posing konnte keine Rede sein. Das lag einfach an der wunderbaren Stimmung und der Tatsache, dass wir uns einfach treiben ließen. Thomas gehört definitiv nicht zu den Fotografen, die eine Pose nach der anderen einfangen. Bei ihm merkt man als Model gar nicht, dass es um ein Shooting geht. Es ist, als würdest Du mit Deinen Freunden losziehen und an einer tollen Stelle halt machen. Nicht anders lief es mit Thomas.

Sensual Moments

Ein weiteres Experiment, dass er im Visier hatte, waren sensual moments. Für diese hatte ich einige Dessous aber auch sehr einfache Blusen mitgenommen. Wir waren in einem Hotel, dass sehr ungewöhnlich aufgebaut war. Mein Zimmer war auf zwei Stockwerken verteilt. Es wirkte wie ein Baumhaus. Eine Badewanne lud zur Entspannung ein. Ein ganz normaler Duschvorhang entpumpte sich dann als kleines kreatives Spielzeug. Thomas spielte hier mit den Lampen des Zimmers und teste so den Effekt. Den Trick hatte er schnell raus. Die Bilder sind in echten Momenten entstanden, während wir uns unterhielten.

Late Night

Irgendwann am späten Abend waren wir hungrig. Ich schlüpfte in ein bequemes Outfit und wir gingen uns stärken. Als wir nach dem Essen auf die Straße traten, war diese etwas Nass und es war tieeeeefe Nacht. Auf Weg zum Hotel, liefen wir durch ein paar Gassen, die von den Straßenlaternen so toll beleuchtet waren. „Komm, ich hole mir ein andere Outfit und wir gehen nochmal in der Nacht shooten!“ schlug ich ihm ganz spontan vor. Thomas war dabei „Ok, machen wir.“ Im Hotel wählte er sogar das Outfit aus. Ich war selbst recht überrascht darüber. Er hat ein sehr feines Gefühl dafür, was gut aussieht. Eine erstaunliche Gabe, die ich bisher nur sehr selten erlebt habe. Draußen in den dunklen Gassen, begann er dann wieder mit der Kamera zu spielen. Immer
wieder ließ er mich „spickeln“ und immer wieder war ich einfach nur verblüfft. Lange waren wir nicht unterwegs. Aber das reichte auch. Wir hatten noch einen ganzen Vormittag Zeit.

Die alte Agfa

Foto by Thomas BichlerAm nächsten Tag ging es nach einem ordentlichen Frühstück weiter. Thomas wollte noch ein paar Aufnahmen im Zimmer ausprobieren. Der Aufbau des Zimmers hatte ihn inspiriert. Nachdem er auch jetzt das Outfit ausgewählt hatte, präsentierte er mir eine alte Leica, die er mitgebracht hatte. Damit sollte ich nun „Selfies“ machen. Er zeigte mir sogar, wie diese funktioniert hatte, damit ich die richtigen Knöpfe drückte. Ja, ich gebe zu, hier konnte ich nicht anders, und alberte etwas herum. Aber: Thomas hatte absolut nichts dagegen. Im Gegenteil. Er bestärkte mich sogar darin, genauso zu sein. Verspielt bis albern, wonach mir eben gerade der Sinn stand. Für ihn war Authentizität das Wichtigste bei diesem kleinen Projekt. So ließ ich es zu.

Bevor ich das Zimmer verlassen musste, wollte er nun noch die kleine Treppe ausprobieren. Er hatte Bilder im Kopf und gab mir dieses Mal Anweisungen, was er wollte. Thomas hat auch hier eine besondere Art. Er spielt sich kein bisschen auf und ist unglaublich menschlich. Da habe ich so manchen anderen Fotografen erlebt, der mit Models wie mit Objekten umgeht.

Ein letztes mal durch die Gassen

Jetzt wurde es aber Zeit. Wir verließen das Hotel. Unser Gepäck konnten wir noch bis zu meiner Abreise stehen lassen. Die Zeit wollten wir noch einmal inFoto by Thomas Bichler den Gassen nutzen. Es war wesentlich belebter, und so manches mal, mussten wir dann doch kurz abwarten. Dennoch entstanden auch hier einige meiner liebsten Porträts. Gegen Mittag war die Zeit dann reif, das Gepäck zu holen und die Heimfahrt anzutreten. Ich muss zugeben, es fühlte sich an, als hätte ich zwei Tage Urlaub gemacht. Es war total entspannt, entschleunigt möchte ich sogar sagen. Als wären wir in eine andere Welt und Zeit eingetaucht. Ein tolles Erlebnis. Wenige Tage später bekam ich dann auch die ersten Ergebnisse. Von wegen „Die meiste Zeit weiß ich gar nicht was ich tue.“. Dennoch ein sehr sympathischer Zug, wie ich finde :-). Oder?

Roadtrip…

„more than pics“ sind Bilder, die zusammengenommen kleine Geschichten erzählen, jedoch auch für sich Momente festhalten. Jeder sieht Bilder mit anderen Augen. Meiner Meinung nach ist es schon eine gewisse Form von Kunst, Gefühle in Bildern festzuhalten. Dazu braucht es absolutes Vertrauen: Der Mensch vor der Kamera – ich spreche absichtlich nicht vom Model, da es für jeden gilt – muss dem Menschen hinter der Kamera absolut vertrauen. Sich in seiner Gegenwart wirklich wohl fühlen und fallen lassen. So entstehen einzigartige, authentische Momente. Solche, wie wir sie zusammen mit Joe erlebt haben.

Es ist jetzt schon eine Weile her – ich hinke hinterher ;-). Anfang diesen Jahres kam Joe mit der Idee zu einer Bildstrecke im Stil eines Roadmovie auf mich zu. Bei der Planung ließen wir uns Zeit und am Ende wurde es August. Gerade rechtzeitig zum Urlaubsbeginn. Joe hatte in der Zwischenzeit eine Art grobes Gerüst gestrickt:

Eine Frau befindet sich auf der Flucht vor etwas oder jemandem. Auf Ihrem Weg beginnt sie sich zu verändern. Erst von der Angst gejagt, schüttelt sie diese ab und entwickelt neues Selbstbewusstsein.

Auf dieses Vorhaben war ich sehr gespannt. Würde ich es schaffen, diese Gefühle zum Ausdruck zu bringen? Das Gefühl der Angst? Die innere Zerrissenheit. Entschlossenheit sich zu verändern und der Angst vor einer solchen Veränderung? Nicht zu letzt dem Gefühl der Befreiung und Freiheit?? So sicher war ich mir da nicht…..

Die erste Begegnung

Die Bildstrecke wollten wir „on the road“ realisieren. Joe hatte sich Gedanken über die passende Umgebung gemacht, welche vorzugsweise für uns beide auf halber Strecke liegen sollte. In der Nähe von Crailsheim wurde er fündig. Wegen der Ferien sollte meine Familie mitkommen können. Und damit es dem Sprössling nicht langweilig würde, suchte er uns sogar ein entsprechendes Unterhaltungsprogramm heraus. Das war sehr zuvorkommend von ihm 😀

Am Shootingtag trafen wir uns zunächst auf einem Parkplatz. Hier sollte das Gepäck erstmal umgeladen werden, bevor wir gemeinsam nach einem ersten „Set“ Ausschau halten würden. Nach einer herzlichen Begrüßung holte er etwas aus dem Auto: Eine Zierleiste. Sie hatte sich während seiner Fahrt auf der Autobahn gelöst. Zum Glück war nichts weiter passiert und er konnte mit dem Mercedes weiter fahren. Die Fahrtauglichkeit war davon nicht beeinträchtigt worden und die Zierleiste konnte zum Glück später wieder fachgerecht angebracht werden. Natürlich durften wir den „Oldie“ erst einmal betrachten und bewundern. Fans können dieses sicher nachvollziehen. Dann wurde es aber langsam Zeit aufzubrechen. Wir verstauten das Gepäck, ich nahm erstmal auf der Beifahrerseite Platz und genoss das erste Stück. Kaum waren wir losgefahren, fiel mir ein, was ich hatte mitnehmen wollen: Einen Schal. Es war in diesem Tag etwas kühler und man sollte den kalten Wind in so einem Cabrio keinesfalls unterschätzen. Zumindest hatte ich einen Kapuzenpulli an. Die Kapuze musste ich allerdings festhalten. Aber ganz ehrlich, es war mir egal.

Erstes „Set“

So, wo sollten wir nun loslegen … Wir waren auf dem Land. Felder, Wiesen, Dörfer, Kirchen, kleine Bahnhöfe, Menschen. Nachdem wir den Ort verlassen hatten, fuhren wir in Richtung eines Waldes. Für gewöhnlich gibt es dort oft Wege, auf denen wenig los sein sollte. Entscheidend war natürlich auch das Licht. Es war Mittagszeit und wir hatten einen Mix aus Sonne und Wolken. Im Schatten der Bäume war es recht kühl, aber dunkel genug.

Bevor es losging sollte noch das „eigentliche“ Model Ihre Bilder erhalten 🙂 . Die Große hatte eine Menge Spaß und war schon nach kurzer Zeit zufrieden und glücklich. Jetzt durfte die Mama 😀 Ich war in legerem Outfit angereist. Vor Ort wollten wir noch die geeigneten Outfits aussuchen. Der alte Koffer aus Omas Zeiten, in dem ich meine Kleider hatte, war zugleich ein Accessoire. Er passte perfekt zur Geschichte.

Über die Outfits hatten wir uns mit Joe im Vorfeld einige Gedanken gemacht. Diese spielten in sofern eine Rolle, da sie gleichzeitig die richtige Stimmung übertragen sollten. Es sollte authentisch wirken: Was trägt eine Frau, die Hals über Kopf weglaufen will? Ganz spontan, ohne nachzudenken. Dazu hat sie keine Zeit. Als verängstigte Frau ziehe ich sicher kein Sommerkleid mit Highheels an. Sie will sich am liebsten unsichtbar machen. So würde es zumindest mir gehen … Wie macht man sich unsichtbar? Wir entschieden uns für ein dunkles Outfit. Zu Anfang wollte ich eine Sonnenbrille tragen. Sie sollte mich vor den Blicken anderer „schützen“ und „unsichtbar“ machen. Also einigten wir uns für den Anfang auf einen eher dunklen, praktischen Stil. Im Laufe der Geschichte, würde sich dieser wandeln, so wie sich die Persönlichkeit der Frau wandelt.

Los geht’s….

Wir fuhren noch ein kleines Stückchen bis zu einer Stelle, die gerade auf dem Hügel in einer kleinen Kurve lag. Joe platzierte den Mercedes wirklich in einem fast schon ausgemessenen Winkel. Er bewies ein sehr gutes Gefühl dafür wie viel er dem Zufall überließ.

So, nun hieß es tief durchatmen, denn zu Beginn sollte ich Angst spüren. In einem Moment, in dem ich einfach nur happy war und mich gut fühlte. Total entspannt. Oh je, oh je. Am besten gar nicht darüber nachdenken. Wir stiegen aus. Joe stellte erstmal seine Kamera ein. Und ich? Ich streckte mich und lockerte die Glieder. Ohne dass ich es bemerkte, hatte Joe schon angefangen, sich warm zu „schießen“. Gerade als ich mich nach ihm umdrehte, verhaarte ich einen kurzen Moment verdutzt: Joe tänzelte regelrecht um mich herum und „schoß aus der Hüfte heraus“. Kurzer Blick aufs Display, IMG_5000_JF_WZob er etwas getroffen hatte. Und Tatsache: Er traf auch noch. Es wirkte so spielerisch einfach … Natürlich kam ich dann in die Gänge *grins* … So tauchten wir gemeinsam in die ersten Szenen ein. Der Wind. Der Schatten. Der Wald. Der einsame Weg. Angst, das plötzlich jemand kommt. Ich spürte sie. Die Angst. Unsicherheit. Einen Atemzug halten, dann sollte ich mich entspannen. Zusammengekauerte, am Rande des Feldes mit dem Rücken zum Rad des Mercedes, saß ich da, und starrte in die Weite, in den Himmel. Jenseits von Joe. Ob ich ihn noch wahrgenommen habe? So viel wie nötig. Ich vertraue in diesen Momenten darauf, das der Fotograf weiß, was er tut und über genügend Einfühlungsvermögen verfügt, Anweisungen in entsprechendem Ton zu geben. Ich bin niemals so weit entfernt, nichts mehr wahrzunehmen. Joe verstand sich sehr gut darauf den Moment nicht zu durchbrechen und ließ mich langsam zurück kommen aus der Ferne.

On the road…..

Wieder zurück im Hier und Jetzt sah ich mir die bisherigen Bilder an — es war schließlich unser erstes gemeinsames Shooting. Jetzt sollte ich mich ans Steuer setzen. Bereit meine Reise anzutreten. Dazu wollte ich mir jedoch etwas Bequemeres anziehen und einen Blick auf eine Karte werfen. Szenen, die wir mit Joe festhielten. Joe konzentrierte sich nicht nur auf sein Model. Bilder von dem Koffer, der Landkarte oder einer einfachen Geste nahm er mit auf. Es erinnerte mich an einen Autor, der für seinen Leser Details beschreibt. Natürlich muss diese Vorgehensweise zum Projekt passen.

Nachdem ich startklar war, setzte ich mich ans Steuer des Mercedes und begann alles einzustellen. Jetzt würde sich auch entscheiden, wer von uns weiterfahren würde. Erster Schritt: Den Sitz nach vorne ziehen bis ich mit den Füßen an die Pedal komme. Ein erster Ruck, der Sitz rastet ein. Ich strecke das Bein durch und versuche das Gaspedal zu erreichen … hhhmm … reicht noch nicht. Na, hoffentlich lässt sich der Sitz noch weiter nach vorne ziehen?! … Tja. Pustekuchen!!!! Ende der Fahnenstange!! Der Sitz bewegte sich keinen Millimeter mehr. In die Höhe ließ er sich auch nicht verstellen. Ich würde den Mercedes also nicht fahren können 😦 Für die Bilder, war das aber nicht entscheidend 😉

Bahnhof …

Etwas wehmütig ließ ich Joe am Ende wieder ans Steuer. Bereits hier am ersten „Set“ hatten wir soviel Spaß an unserem Projekt, dass wir die Zeit fast vergessen haben. Also machten wir uns auf den Weg, um den nächsten Schauplatz zu finden. Kaum passierten wir das Ortsschild, kamen wir an einen Bahnübergang und sahen diesen alten Bahnhof, in den gerade der letzte Zug einfuhr. Er würde gleich wieder weg sein und dann war der Bahnhof menschenleer. Joe sah mich an: „Sollen wir?“ Ja natürlich! Ich wollte schon immer mal auf so einem alten Bahnhof shooten. Das Gebäude selbst war wunderschön. Leider kleben an fast allen Türen Plakate. Einfach furchtbar. Da findest du so eine alte Tür und dann sind sie zugekleistert. Bis auf eine. Ich setzte mich davor und entspannte mich. Joe nutzte die Gelegenheit kurzerhand für ein paar Portraits und gab mir auch noch ein paar kleine Tipps, die er selbst aus professionellen Quellen bekommen hatte.

Gut spielt?

Nach dieser kleinen Verschnaufpause ging es weiter. Die Straße teilte den Wald. Immer wieder führten kleine gesteinerte Wege in den Wald rein. Einer dieser Wege, lag sehr versteckt und bot sich als Schauplatz und zum „Rast machen“ an. Versteckt hinter Bäumen war der Weg von der Straße schlecht einsehbar. Somit ideal, um unsere Bilderstrecke fortzuführen: Es war an der Zeit für eine weitere kleine Veränderung. Die „Show“ konnte weiter gehen. Nun wollte ich ein gewagteres Outfit. Einen Eyecatcher, der noch genug verbarg. In Gedanken versunken, vergesse ich meine Umgebung einen Moment lang. Die leichte Brise auf meiner Haut, erinnert mich daran, wo ich mich befinde! Ein kurzer Blick über die Schulter … nein, noch war niemand in Sicht … so kann ich mich in aller Ruhe wieder anziehen. Ich will weiter fahren. Zeit zum Nachdenken.

Metamorphose – Akt der Verwandlung

Nachdem wir die nächste Stufe der Verwandlung eingeläutet hatten, wollten wir nun zum Höhepunkt unserer Bilderstrecke: Die Metamorphose. Joe hatte einen alten Bunker entdeckt, der mitten im Nirgendwo stand, ganz in der Nähe eines Kieswerkes, auf einer Wiese. Hier und da ein Baum. In weiterer Entfernung ein kleiner Wald. Der Bunker selbst würde mir einen gewissen Schutz bieten im Moment des Aktes. Dem Akt der Verwandlung.

Auf der Lichtung angekommen, standen wir nun fast verloren da. Ich zumindest. Auf der einen Seite so frei wie ein Vogel und gleichzeitig völlig verloren. Ich lasse mich von der Atmosphäre gefangen nehmen … Wo gehe ich hin? Bin ich wirklich frei? Wenn ja, dann möchte ich diese Freiheit jetzt kosten. Jetzt oder nie. Raus aus den Kleidern, die mich wie Ketten festhalten in einem Leben, das nicht mehr das meine ist. Ich bin frei.

Altes geht – Neues kommt

Nachdem die Metamorphose abgeschlossen war, wollten wir das Alte zurücklassen. Dazu wechselten wir bewusst den Schauplatz. Unterwegs kosteten wir die neu gewonnene Freiheit ein bisschen aus: Am Rande einer befahrenen Straße legten wir noch einen Stopp ein. Gekleidet in einem Ledermantel und Unterwäsche boten der Mercedes und ich einen leicht verruchten Anblick für die vorbeifahrenden Autos. Das störte allerdings weder mich noch Joe. Im Gegenteil. Es schuf die richtige Atmosphäre.

Unsere Reise ging bald weiter. Allzu viel Zeit hatten wir nicht mehr. Die Sonne stand gerade günstig als wir unser Ziel erreichten. Showtime für die letzte Szene. Das Kieswerk regte dabei ein wenig die Fantasie an. Hier würde niemand einen alten Koffer sonderbar finden. Ich wollte ihn loswerden. Stehen lassen. Samt aller darin befindlicher Kleider. Sie gehörten der Vergangenheit an. Und so ließ ich ihn stehen. Machte kehrt und spürte die Zufriedenheit und das Glück. Jetzt konnte ich von vorn anfangen.