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Ein weiteres, sehr spezielles Shootingerlebnis in diesem Jahr, war mit Thomas Bichler. Seine Mischung aus Landschaftsaufnahmen und Fine Arte Nude fasziniert mich schon lange.

Die erste Begegnung

Ich hatte das Vergnügen Thomas bereits bei einem kurzen Shooting im Frühjahr kennen zu lernen. Wir hatten uns für einen kleinen Trip in ein Waldgebiet hinter Ulm verabredet. Ich war sehr gespannt auf ihn. Bis zu diesem Treffen hatten wir schon des öfteren Kontakt gehabt und wir schienen auf einer Wellenlänge zu sein. Dennoch hatte ich etwas Bammel. Ein Anfänger Model mit einem so großartigen Fotografen? Immerhin hängen seine klassischen Schwarzweißbilder in Galerien und Ausstellungen und werden in Magazinen, Bildbänden und Kalendern abgedruckt. In seiner Kalenderserie „simbiosa“ zeigt Thomas herrliche stille und ästhetische Outdoor-Aktfotografie. Ich wage sogar zu behaupten, dass er in diesem Genre zu den Besten gehört. Das sehen auch einige Fans und Kollegen so. „Er ist in meinen Augen ein Meister der klassischen Bildgestaltung. Nichts wirkt hier zufällig. Körper fügen sich in vollendeter Harmonie in Landschaften ein. Thomas wandelt die Bilder in traumwandlerischer Sicherheit perfekt in schwarz-weiß um.“ hörte ich Günther Ullmann, bekennender Fan von Thomas Bichler, einmal sagen.

Das Treffen mit Thomas war dann doch ganz anders, viel entspannter, als ich erwartet hatte. Wir gingen spazieren, redeten und sahen uns nach passenden Fleckchen um, die Thomas inspirierten. Beim Posen führte er mich. Er hatte eine sehr angenehme Art und wusste, was er wollte. Gleichzeitig achtete er sehr genau darauf, ob es mir gut ging. Die Temperaturen waren noch sehr winterlich. Angenehm war es so unbekleidet vor allem wenn die Sonne raus kam. An diesem Tag zogen einige Wolken über den Himmel, die die Sonne immer wieder versteckten. Thomas passte diesen Moment immer ab.

So wanderten wir gemütlichen Schrittes durch die Wege des Waldes, bis es Zeit wurde nach Hause zu fahren. Viel Zeit hatten wir an diesem Tag nicht. Das war nicht weiter schlimm, denn sie hatte gereicht, um einander besser kennen zu lernen. Hier entstand mit eines der schönsten Aktbilder 🙂

Porträt by Bichler

Nach diesem ersten Treffen, versuchten wir den ganzen Frühling und Sommer einen passenden Termin für ein weiteres Aktshooting in den Bergen zu finden. Es war wie verhext. Hatte Thomas Zeit, ging es bei mir nicht. Hatte ich Zeit, war er unterwegs. Die wenigen Termine, die wir dann vereinbaren konnten, mussten wir jedesmal verschieben, weil etwas dazwischen kam. Es war frustrierend. Doch wie heißt es so schön? Gut Ding will Weile haben. Kurz vor der großen Pause, vereinbarten wir mit Thomas im September einen neuen Termin. Doch dieses Mal, wollten wir zwei Tage shooten. Vielleicht würden wir mit dieser Taktik mehr Glück haben. Allerdings würden wir kein Aktshooting in den Bergen machen. Er wollte nach langer Zeit etwas anderes ausprobieren. Porträts und ein bisschen Streetstyle. Thomas hatte Lust zu experimentieren. Warum nicht? Thomas liegt die Fotografie im Blut. In unseren Gesprächen ließ er immer durchblicken, dass Technik nicht entscheidend ist. Er verstünde von Technik nicht viel, und wisse die Hälfte der Zeit nicht was er tue – ich konnte mich ja bereits vom Gegenteil überzeugen. Er versteht sich ausgezeichnet auf sein Handwerk.

Endlich fanden wir einen Termin und verabredeten uns für zwei Tage in Lindau. Er warnte mich noch, dass er keine Garantie gibt, was unter’m Strich raus kommen würde. Ich hatte da absolut keine Sorge und ließ es ihn auch wissen.

Spaziergang durch Lindaus Gassen

Wir hatten uns gleich für den Mittag verabredet. Als ich mit dem Zug in Lindau ankam, nahm er mich gleich herzlich in Empfang. Ja, es war, als würde man einen alten Freund treffen. Wir quatschten einfach drauf los. So fangen bekanntlich alle guten Shootings an … Mein Gepäck verstauten wir in seinem Wagen und gingen erst einmal in eins der Kaffee am See. Dort saßen wir gemeinsam, aßen und tranken etwas und lachten viel. Die Sonne schien und wir waren beide gut gelaunt. Auch wenn eher planlos.
Nach einer Weile beschlossen wir dann doch mal loszuziehen. Unser erstes Ziel war ein Weg, der zum Leuchtturm führte. Thomas hatte sich für diese Shooting vorgenommen, bei der Technik von seiner bewährten Methode abzuweichen. Das bedeutet für ihn gleichzeitig, dass er – wie er selbst behauptete – keine Ahnung hatte, was er da eigentlich tat. Kannte ich ja schon. Mancher wird jetzt denken „Wie bitte? Da würde ich als Model ja gleich mal aussteigen“ Ne ne. Auch wenn er an diesem Tag erstmals mit einem neuen Objektiv arbeitete, er hatte es in null komma nix im Griff. Als wäre er ein „Objektivflüsterer“. Ein weiteres war der Umstand, dass er ohne Stativ arbeitete. Er probierte tatsächlich einfach aus einem Moment heraus zu fotografieren und war selbst überrascht als es funktionierte. Wir lachten und scherzten noch darüber.

Irgendwann verließenFoto by Thomas Bichler wir den See und liefen Richtung Altstadt hinein. Thomas mag genauso wie ich, die kleinen engen Gassen, in denen man selten eine Menschenseele trifft. Während wir so durch die Altstadt liefen, warf er hier und dort einen Blick hinein. Langsam tasteten wir an die Richtung, in die es Bildtechnisch gehen sollte. Schon in dieser Phase kamen einige tolle Bilder heraus. Nach einer Weile machten wir es uns an einem See einfach wieder gemütlich. Ihr merkt schon, von totalem Shootingstress und anstrengenden Posing konnte keine Rede sein. Das lag einfach an der wunderbaren Stimmung und der Tatsache, dass wir uns einfach treiben ließen. Thomas gehört definitiv nicht zu den Fotografen, die eine Pose nach der anderen einfangen. Bei ihm merkt man als Model gar nicht, dass es um ein Shooting geht. Es ist, als würdest Du mit Deinen Freunden losziehen und an einer tollen Stelle halt machen. Nicht anders lief es mit Thomas.

Sensual Moments

Ein weiteres Experiment, dass er im Visier hatte, waren sensual moments. Für diese hatte ich einige Dessous aber auch sehr einfache Blusen mitgenommen. Wir waren in einem Hotel, dass sehr ungewöhnlich aufgebaut war. Mein Zimmer war auf zwei Stockwerken verteilt. Es wirkte wie ein Baumhaus. Eine Badewanne lud zur Entspannung ein. Ein ganz normaler Duschvorhang entpumpte sich dann als kleines kreatives Spielzeug. Thomas spielte hier mit den Lampen des Zimmers und teste so den Effekt. Den Trick hatte er schnell raus. Die Bilder sind in echten Momenten entstanden, während wir uns unterhielten.

Late Night

Irgendwann am späten Abend waren wir hungrig. Ich schlüpfte in ein bequemes Outfit und wir gingen uns stärken. Als wir nach dem Essen auf die Straße traten, war diese etwas Nass und es war tieeeeefe Nacht. Auf Weg zum Hotel, liefen wir durch ein paar Gassen, die von den Straßenlaternen so toll beleuchtet waren. „Komm, ich hole mir ein andere Outfit und wir gehen nochmal in der Nacht shooten!“ schlug ich ihm ganz spontan vor. Thomas war dabei „Ok, machen wir.“ Im Hotel wählte er sogar das Outfit aus. Ich war selbst recht überrascht darüber. Er hat ein sehr feines Gefühl dafür, was gut aussieht. Eine erstaunliche Gabe, die ich bisher nur sehr selten erlebt habe. Draußen in den dunklen Gassen, begann er dann wieder mit der Kamera zu spielen. Immer
wieder ließ er mich „spickeln“ und immer wieder war ich einfach nur verblüfft. Lange waren wir nicht unterwegs. Aber das reichte auch. Wir hatten noch einen ganzen Vormittag Zeit.

Die alte Agfa

Foto by Thomas BichlerAm nächsten Tag ging es nach einem ordentlichen Frühstück weiter. Thomas wollte noch ein paar Aufnahmen im Zimmer ausprobieren. Der Aufbau des Zimmers hatte ihn inspiriert. Nachdem er auch jetzt das Outfit ausgewählt hatte, präsentierte er mir eine alte Leica, die er mitgebracht hatte. Damit sollte ich nun „Selfies“ machen. Er zeigte mir sogar, wie diese funktioniert hatte, damit ich die richtigen Knöpfe drückte. Ja, ich gebe zu, hier konnte ich nicht anders, und alberte etwas herum. Aber: Thomas hatte absolut nichts dagegen. Im Gegenteil. Er bestärkte mich sogar darin, genauso zu sein. Verspielt bis albern, wonach mir eben gerade der Sinn stand. Für ihn war Authentizität das Wichtigste bei diesem kleinen Projekt. So ließ ich es zu.

Bevor ich das Zimmer verlassen musste, wollte er nun noch die kleine Treppe ausprobieren. Er hatte Bilder im Kopf und gab mir dieses Mal Anweisungen, was er wollte. Thomas hat auch hier eine besondere Art. Er spielt sich kein bisschen auf und ist unglaublich menschlich. Da habe ich so manchen anderen Fotografen erlebt, der mit Models wie mit Objekten umgeht.

Ein letztes mal durch die Gassen

Jetzt wurde es aber Zeit. Wir verließen das Hotel. Unser Gepäck konnten wir noch bis zu meiner Abreise stehen lassen. Die Zeit wollten wir noch einmal inFoto by Thomas Bichler den Gassen nutzen. Es war wesentlich belebter, und so manches mal, mussten wir dann doch kurz abwarten. Dennoch entstanden auch hier einige meiner liebsten Porträts. Gegen Mittag war die Zeit dann reif, das Gepäck zu holen und die Heimfahrt anzutreten. Ich muss zugeben, es fühlte sich an, als hätte ich zwei Tage Urlaub gemacht. Es war total entspannt, entschleunigt möchte ich sogar sagen. Als wären wir in eine andere Welt und Zeit eingetaucht. Ein tolles Erlebnis. Wenige Tage später bekam ich dann auch die ersten Ergebnisse. Von wegen „Die meiste Zeit weiß ich gar nicht was ich tue.“. Dennoch ein sehr sympathischer Zug, wie ich finde :-). Oder?

 

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